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Wofür brauchst du eine Beziehung?

Annemieke Binggelivon Annemieke Binggeli
Liebe
Wofür brauchst du eine Beziehung?

Als ich Christ wurde und zum ersten Mal in den Kontext einer Kirche kam, war ich 17 Jahre alt gewesen. Das bedeutet: Hinter mir lag bereits ein Großteil meiner Pubertät.

In meinen Jahren zuvor war mein Verständnis von Liebe und Partnerschaft stark von wunderbaren Hollywood-Filmen geprägt worden, der Vorstellung von dem einen richtigen Partner für mein Leben. Ich müsste diesen einen Partner nur finden, dann würde ich glücklich werden. Denn ich war nicht glücklich: In der Familie gab es Krisen, in der Schule ebenfalls Probleme.

In den Liebesbeziehungen, die ich als Jugendliche führte, erlebte ich tatsächlich Glück. Ich war glücklich. Glücklich, weil ich mich geliebt und begehrt fühlte, weil ich mit einem Partner zusammen war. All die vielen kleinen Nachrichten, Komplimente und Zärtlichkeiten von dieser Person beruhigten mein inneres Bedürfnis nach Liebe, Annahme und Nähe. Dass überhaupt jemand mich als Partnerin ausgesucht hatte, gab mir ein gutes Gefühl. Auch mein Bedürfnis nach Bindung wurde gerade durch körperliche Nähe und Sexualität gestillt.

All diese Bedürfnisse und Wünsche nach Liebe, Annahme und Nähe sind absolut legitim, natürlich und gut. Und ich bin mir sicher, du kennst sie auch.

Doch wenn du den Kontext einer Kirche oder einer christlichen Gemeinde kennst, dann weißt du auch, dass solch ein Lebensstil mit wechselnden Partnern – gerade, wenn es zum Sex kommt – nicht anerkannt ist. Mir wurde mit meinen 17 Jahren klipp und klar gesagt: Diese Wünsche darfst du haben, aber das Stillen dieser Wünsche gehört in die Ehe. Und ja, das ist richtig: Nähe in Form von Sexualität gehört in den geschützten Rahmen einer verlässlichen Partnerschaft, also einer Ehe. Gott gibt das als Maßstab vor (vgl. z. B. 1. Mose 2:24 oder 1. Korinther 7:8-9). Und ich fing an, diesem Beziehungsmodell zu folgen.

Dadurch bildete sich der Gedankengang in meinem Kopf, der in etwa so lautet: Du wirst erst dann (wieder) deine Bedürfnisse gestillt bekommen und dieses Glück empfinden, wenn du verheiratet bist. Denkst du vielleicht auch so?

Ich behaupte an dieser Stelle, dass dieser doch ziemlich weit verbreitete Gedankengang nicht stimmt! Und ich meine, dass dieser Gedanke sogar gefährlich wird, wenn ich ihm Glauben schenke:

Er kann mich vorschnell in eine Ehe bringen, weil ich es alleine einfach nicht mehr aushalte.

Er kann mich in traurigen Zeiten in eine Partnerschaft bringen, weil ich mir hier mein Glück erhoffe.

Und er kann mich dazu bringen, mich von meinem Partner zu trennen, obwohl die Beziehung eigentlich funktionieren könnte.

Warum? Es hört sich wirklich sehr fromm und richtig an, dass ich meine Bedürfnisse zurückstelle und sie erst in der Ehe stillen möchte, aber leider werden dadurch in Wirklichkeit Ehe und Beziehung zu einem Götzen erhoben!

Denn:

Das Prinzip der Ehe wird dann zu einem Objekt, um meine Bedürfnisse zu stillen.

Der Ehepartner wird dann zu einem Objekt, um meine Bedürfnisse zu stillen.

Und ich fange an, mich dann selbst als ein Objekt zu verstehen, das die Bedürfnisse meines Ehepartners stillen soll.

Eine Frage an dieser Stelle: Was ist, wenn mein Partner oder ich so krank werden, dass Nähe in Form von Sexualität in unserer Ehe nicht mehr gelebt werden kann. Erfüllt die Ehe dann nicht mehr ihren Zweck?

Gott hat der Ehe mit Sicherheit nicht einen so hohen Stellenwert gegeben, weil in ihr Sexualität stattfinden soll und die Sexualität unser Menschsein ausmache! Selbst wenn es sich in unserer übersexualisierten Welt manchmal so anfühlt, als sei Sexualität das Nonplusultra der Menschheit. Die Bibel gibt deutlich zu verstehen, dass unsere Identität in Gott nicht maßgeblich von unserer Sexualität definiert wird.

Dafür kann ich doch nur dankbar sein: Eine Beziehung bedeutet nicht die komplette Abhängigkeit von einer anderen Person und ihrem Verhalten mir gegenüber. Natürlich werde ich Verletzungen in einer Beziehung in Kauf nehmen müssen. Aber auch dann ist und bleibt es meine Beziehung zu Gott und die Liebe Gottes, die alle meine Bedürfnisse nach Liebe, Annahme und Nähe stillen möchte. Und diese Liebe ist perfekt. Diese Liebe ist zuverlässig. Mit dieser Sicherheit kann ich doch überhaupt erst in eine Ehe starten, weil ich meine Bedürfnisse weiterhin in erster Linie von meinem zuverlässigen und mich liebenden Schöpfer stillen lassen kann! Natürlich kann mein Ehepartner meine Bedürfnisse ebenso besänftigen, so u. a. auch auf der körperlichen Ebene. Jedoch ist und bleibt dieses Stillen durch einen Menschen immer lückenhaft und fehlerhaft. Einfach deswegen, weil wir Menschen Fehler haben.

Dessen solltest du dir bewusst sein, wenn du in eine Partnerschaft und später eine Ehe gehst:

Egal, ob du single, verliebt, verlobt oder verheiratet bist: Die Liebe Gottes ist deine erste und bleibende Anlaufstelle, wenn du dein Bedürfnis nach Liebe, Annahme und Nähe stillen möchtest! Die Liebe Gottes ist und bleibt erfüllender als alles andere (vgl. z. B. Psalm 16:11; Psalm 73:25).