Adrenalin pur. Flutlichtstimmung und tosendes Anfeuern. Noch fehlt ein Tor zum Ausgleich, womit die Hoffnung auf Verlängerung gewahrt wird. Die Nachspielzeit beginnt und weiterhin ist diese angespannte Gefühlslage zwischen allerletzter Hoffnung und verkrampftem Bangen nah beieinander. Tatsächlich, in der Nachspielzeit fällt dieses Tor für meine Mannschaft, welches so sehr herbeigesehnt wurde. Verlängerung und somit die Hoffnung auf einen Sieg, wobei die Mannschaft das gesamte Spiel einem Rückstand hinterherlaufen musste. Dieser Siegeswille, diese Hoffnung auf mehr. Diese wechselnden Emotionen – wie oft ich solche Momente im Stadion schon miterlebt habe! Ja, oftmals verlangt es viel ab 😊
Ich denke, auch du wirst deine Leidenschaften haben und wenigstens etwas mitfühlen können bei den obigen Zeilen. Sport läuft auf den Erfolg hinaus, das Gewinnen. Eine Mannschaft wird zusammengestellt, findet sich zusammen und das Ziel ist für alle klar. Und doch ist es ungewiss. Gewinnen bleibt ungewiss, selbst wenn es das klar definierte Ziel ist. Egal, wie viel ich trainiere, mir meine Ruhephasen gebe oder neue Arbeits- bzw. Trainingsmethoden probiere, die Ungewissheit bleibt, ob der Erfolg eintritt und das Gewinnen zelebriert werden kann. Um es herunterzubrechen:
Gewinnen an sich interessiert sich weder für dich noch für mich. Was ich damit herausstellen will, ist der Grundgedanke, dass selbst, wenn der Sieg oder Erfolg mein ausgeschriebenes Ziel ist, garantiert ist es nicht. Ich möchte dir nichts Deprimierendes mitgeben, sondern vielmehr dich anregen, einmal tiefer gehend zum Prinzip Erfolg und Sieg nachzudenken. Die Gründe, wenn es nicht funktioniert, mögen vielfältig sein. Manches Mal gibt es keine Gerechtigkeit: Du hast alles und sogar mehr gegeben und dein Gegenüber gefühlt nichts. Trotzdem liegt er vor dir.
Zurück zu meinem Anfang: Dieses Mal klappte das Tor zum Ausgleich in der Nachspielzeit. Das Tor für die weitere Hoffnung. Doch zu oft passiert dies nicht. Du rennst an, spielst mit allem, was du geben kannst, und es gibt kein weiteres Durchkommen. Aus und vorbei. Rückschlag für Rückschlag. Der Wille zum Sieg und Erfolg verlangt das Beste von dir, ohne gleichzeitig etwas zu versprechen. Die entscheidende Frage dabei lautet, ob du deine Energie und Kraft über die Zeit dahin investierst, dich auf das zu fokussieren, was gegen dich läuft, oder ob du weitermachst. Selbst wenn Zweifel und Ungerechtigkeiten lauter werden. Ob die Beschwerde größer wird als der Wille des Gewinnens. Die Frage ist, ob du trotz allem dafür gehst, ins Unbekannte, selbst wenn nicht klar ist, was kommen mag oder du es schon zu oft nicht geschafft hast. Würde ich diesen Willen oder Glauben des Gewinnens nicht immer wieder neu in meinem Leben ansetzen, so hätte ich, denke ich, bereits verloren. Insofern ich Lebenssituationen oder Dinge gar nicht erst annehme, hat das Verlieren gewonnen. Probiere ich erst gar nicht, diese eine Freundschaft zu retten, wird sie womöglich auseinandergehen. Sich nur beschweren, dass Situationen in meinem Leben wenig gut laufen und ich es gern anders hätte, jedoch untätig bleiben, sag du mir, was sich hierbei verändern sollte?
Sei ermutigt loszugehen, es zu probieren und diesen Siegeswillen in deinem Herzen mitzutragen. Ankommen ist immer mit Losgehen verbunden. Gewinnen durchweg mit aktivem Antreten. Hab diesen Glauben, selbst wenn bereits die Nachspielzeit anbricht.