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Klagelieder - Warum es mein Lieblingsbuch der Bibel ist
In unserer Reihe der Lieblingsbücher aus der Bibel mag sich der eine oder andere vielleicht daran erinnern, dass ich bereits ein paar Gedanken zu meinem Lieblingsbuch Prediger geteilt habe. Ich lese und denke immer wieder gern aufs Neue über diese Ausführungen nach, um ein bisschen meinen eigenen Alltag zu reflektieren.
Wie du nun aber bereits am Titel des heutigen Beitrags merkst, möchte ich gern ein Buch hervorheben, bei dem wohl nicht unbedingt die Mehrheit von uns „Lieblingsbuch“ gerufen hätte: die Klagelieder.
Zunächst ein paar generelle Dinge zur weiteren Einordnung. Als Verfasser wird oftmals der Prophet Jeremia genannt und uns wird in fünf Liedern die Gefühlswelt über die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Babylonier nähergebracht. Dies kannst du übrigens in 2. Könige nochmals genauer nachlesen. Es wird eine gewisse Dichtkunst verwendet, weshalb der Name Klagelieder für dieses Buch auch gut nachvollziehbar ist. Und wer hätte es gedacht? Es wird viel geklagt, gejammert und geweint.
Es mag nun ein wenig komisch für dich klingen, dass ich die Klagelieder so hervorhebe, doch ich möchte dies aus folgendem Grund einmal bewusst tun: Klagen darf Teil unseres Lebens sein. Diese Situationen und Momente, in denen alles blöd läuft, sind ein Teil unseres Lebens. Ein Auf und Ab – und dies immer wieder. Manchmal nervt es uns vielleicht selbst, wieder zu weinen oder mehr zu klagen, doch auch das ist für eine Zeit lang vollkommen in Ordnung. Es ist in Ordnung, einfach mal zu weinen, damit die eigenen Emotionen herauszulassen und zu verarbeiten und danach wieder alles dafür zu geben, dass man wieder lachen kann.
Zurück zu unseren Klageliedern und dazu, dass ich diese für unsere Reihe ausgesucht habe. In den Kapiteln bzw. Liedern 1 & 2 erkennen wir sehr gut, welche Trauer und welche Emotionen auf dem Verfasser liegen. Aussichtslosigkeit, Unverständnis sowie Unverständnis über die Verwüstung Jerusalems und das Elend der aktuellen Situation machen sich breit. Und dann folgt in Kapitel 3 der entscheidende Bruch, schauen wir uns folgende Verse genauer an:
"Du verstießest meine Seele aus dem Frieden, ich habe vergessen, was Glück ist. Und ich sagte: Verloren ist mein Glanz und meine Hoffnung auf den HERRN. An mein Elend und meine Heimatlosigkeit zu denken, bedeutet Wermut und Gift! Und doch denkt und denkt meine Seele daran und ist niedergedrückt in mir. Doch dies will ich mir in den Sinn zurückrufen, darauf will ich hoffen: Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt." (Klagelieder 3:17-25, Elberfelder)
Wie stark, oder?! Lies es dir gern noch ein zweites Mal in Ruhe durch. Auf eine gewisse Weise kann ich mich gut mit dem Verfasser identifizieren. So viele Momente gab es bereits, in denen ich mehr sauer gewesen bin und angeklagt habe, als den weiteren Weg zu erkennen. Und dann, so nach einiger Zeit, trat ein Perspektivwechsel ein. Das muss ich natürlich irgendwann zulassen wollen und können. Denn auch wenn die Lösung noch nicht ersichtlich ist, dürfen wir uns jederzeit daran erinnern, dass Gott da ist und dageblieben ist. In der Zeit des Lebens; egal, ob beim Hoch oder im Tief. Diese Hoffnung nimmt uns doch niemand.
Wir können uns auch nun fragen, wie es klappt, dass wir die guten Zeiten und das Hoch möglichst lang halten. Das wäre doch klasse, oder was meinst du?! Ehrlicherweise ist das Leben dann doch zu verzweigt und von so vielen Einflüssen abhängig, dass wir mit dieser Frage nicht wirklich weit vorankommen.
Stellen wir uns doch lieber mal die Frage, wie wir bestmöglich durch die Zeiten des Tiefs gemeinsam hindurchkommen. Also, was brauche ich oder wie komme ich dahin, dass, wenn es mal wieder mies läuft, ich ab einem gewissen Punkt sagen kann „und dennoch […]“ oder „doch gerade jetzt […]“?
Du kannst es für dich ja mal beliebig ergänzen. Im Sinne von: „Meine Erwartung in dieser Situation bricht schon wieder voll auseinander, und dennoch will ich auf Gott hoffen.“ Je häufiger die Tiefs, umso herausfordernder wird es. Und genau deswegen erinnert mich ein Buch wie Klagelieder wieder daran, dass wir weiter hoffen dürfen. Das wünsche ich dir!