Wie geht es dir mit Neujahrsvorsätzen? Da gibt es meiner Beobachtung nach drei verschiedene Lager. Das eine brennt jedes Mal darauf, das kommende Jahr zum perfekten Jahr zu machen, ganz nach dem Motto: Neues Jahr, neues Ich! Das andere wiederum sieht Neujahrsvorsätze als unnötig an, da man diese in den meisten Fällen nach drei Wochen sowieso nicht mehr einhält. Also warum dann etwas vornehmen? Und dann gibt es da noch eine „Zwischen-Spezies“, zu der auch ich gehöre. Ich sage mir jedes Jahr, dass ich mir keine Vorsätze mache, weil ich sie nicht einhalte. Doch mein innerer Monk drängt mich immer wieder dazu, mir doch etwas vorzunehmen, denn: Neues Jahr, neues Ich. Und nach drei Wochen ist der motivierte Höhenflug vorbei und ich sage zu mir selbst: „Siehst du, hab ich dir doch gleich gesagt.“
„Woran könnte das liegen?“, habe ich mich gefragt. Dieses Jahr steht unter der Losung aus 1. Korinther 16,14:
„Lasst alles bei euch in Liebe geschehen!“
Was für ein starker Vers! Was für ein herausfordernder Vers! Als ich ihn das erste Mal bewusst gelesen habe, dachte ich: „Ja, ist ja logisch. Einfach alles in Liebe tun.“ Doch beim zweiten Lesen musste ich dann doch schlucken, denn ich reflektierte mein Verhalten und mein Denken im Kontext dieses Verses und stellte fest: „Von dieser Liebe bin ich weit entfernt.“
Wenn du jetzt dasselbe tust und zum gleichen Ergebnis kommst, dann lade ich dich ein, dir mit mir gemeinsam Gedanken über diesen Vers zu machen und zu überlegen, wie wir ihn in unserem Leben praktisch umsetzen können. Schauen wir doch zuerst einmal den Vers in seinem Kontext an.
Paulus schrieb diesen Brief an die Korinther, die ein sehr ausschweifendes Leben führten. Unsere Jahreslosung befindet sich im letzten Kapitel, dem Abschiedskapitel von Paulus. Er gab letzte Anweisungen, ermahnte sowie erbaute und ließ Grüße ausrichten. In diesem konkreten Abschnitt forderte er dazu auf, wachsam und stark im Glauben zu sein und alle Dinge in Liebe geschehen zu lassen. Unser Vers 14 ist untrennbar mit Vers 13 verknüpft, denn ohne Liebe ist Glaube sinnlos. Paulus schrieb hier nicht von einer freundschaftlichen Liebe. Er meinte eine aufopferungsvolle Liebe, die den Anderen höher achtet und sich selbst zurückstellt. Offenbar fehlte es den Korinthern, wie auch uns heute, an dieser Liebe, weshalb Paulus diesen Punkt noch mal so stark betonte. Doch wie genau tue ich denn alles in Liebe?
Wie im vorherigen Vers 13 schon deutlich wird, können wir diese Dinge nicht aus uns heraus bewirken. Wir müssen „fest im Glauben stehen“ und nah am Herzen unseres Herrn Jesus bleiben. Denn was passiert, wenn wir nah an Jesus bleiben? Wir geben Jesus die Möglichkeit, unsere Herzenshaltung immer mehr zu verändern. Das wird mit größter Wahrscheinlichkeit nicht über Nacht geschehen. Du wirst wohl nicht eines Morgens aufwachen und feststellen, dass du in der Liebe völlig verändert bist. Eine liebende Haltung einzunehmen ist ein Ziel, worauf wir hinarbeiten dürfen.
An diesem Punkt möchte ich betonen: Bei deiner Bekehrung hat Jesus das Wunder der Wiedergeburt an dir bewirkt. Du bist ein neuer Mensch, eine neue Kreatur und dementsprechend wird dein Herz ab dann von Natur aus versuchen, Jesus ähnlicher zu werden. Doch wir leben in einer gefallenen Welt, deshalb wird der Feind dich immer wieder neu versuchen, und wir müssen lernen, uns davon nicht verleiten zu lassen. Das sollte uns nicht demotivieren, ganz im Gegenteil! Wie können wir etwas lernen, wenn wir kein Übungsfeld dafür haben? „Liebe“ ist kein Gefühl, es ist eine Entscheidung. Die Entscheidung, in allen Dingen das Gute zu sehen und diese Dinge für Jesus zu tun und nicht für unsere eigene Anerkennung.
„Doch was hat das alles jetzt mit Vorsätzen zu tun?“,
fragst du dich jetzt vielleicht. Wie ich bereits weiter oben ausgeführt habe, glaube ich, dass bewusste Jahresvorsätze auf die breite Masse gesehen nicht wirklich konsequent umgesetzt werden. Dennoch möchte ich dich jetzt ermutigen: Diese Jahreslosung darf für uns alle ein Weckruf sein. Prüfe dein Herz und lass das Wunder, das an dir getan wurde, nach außen hin sichtbar werden!
Doch bitte siehe diese Aufforderung nicht als eine lästige Pflicht an wie zum Beispiel „Dieses Jahr muss ich endlich abnehmen“ oder „Ab jetzt miste ich jeden Tag eine Sache aus“. Denn ich glaube, hier liegt das Problem. Wir sehen in dem Vorsatz ein To-do, welches schnellstmöglich umgesetzt werden muss. Dieser Vers meint jedoch nicht einen Punkt auf einer To-do-Liste, sondern er beschreibt eine zentrale Wahrheit über das Verhalten eines Christen. Deshalb sollte es ein hohes Ziel für dich und mich sein, dieses Verhalten anzustreben. Dieser Wunsch startet nicht mit einer Jahreszahl. Er darf sofort und unabhängig bei dir beginnen und über die Jahre immer größer werden.
Und genau das fängt in den kleinsten Dingen an: Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich nur an mich selbst denke und allein darauf bedacht bin, dass ich gut dastehe. Wenn ich mir dann die Jahreslosung vor Augen halte, stelle ich mich selbst zurück und achte auf meine Mitmenschen. Oder mir fällt auf, dass ich schlecht über einen anderen Menschen rede. Wenn ich mich dann an die Jahreslosung erinnere, korrigiere ich mich selbst und spreche bewusst liebevoll über diese Person. Oder ich merke, dass ich einen Dienst in der Gemeinde, in der Schule oder bei der Arbeit nur unwillig und mit Unfrieden erfülle. Dann bitte ich Jesus um Vergebung und führe mir vor Augen, dass ich aus Liebe zu ihm in der Gemeinde, in der Schule und auch bei der Arbeit dienen kann. Vielleicht sind dir jetzt auch ein paar Punkte eingefallen, auf die der Heilige Geist seinen Finger legt.
Wenn du dich von der Liebe leiten lässt, dann wirkt sich das auf dein Denken, dein Reden und dein Handeln aus. Alles kann – durch Liebe motiviert – ein Geschenk an Gott sein. Wir machen Gott dadurch immer wieder viele kleine Geschenke, die ihn ehren und die auch für unsere Mitmenschen sichtbar sind.
Lass uns doch gemeinsam Jesus zum Vorbild nehmen und eine regelmäßige Zeit mit ihm kultivieren. Wir geben ihm neu unser Denken, unser Reden und unser Handeln und bitten ihn, uns mit Liebe zu füllen. Und dann sind wir dazu befähigt, in jeder Situation umzudenken und das, was wir tun, in Liebe geschehen zu lassen. Lass uns diesen Vers zu einem Vorsatz machen. Nicht ein Vorsatz für dieses Jahr, sondern ein Vorsatz für dein und mein Leben.
Und damit wünsche ich dir Gottes Segen für das neue Jahr und auch, dass du seine Gnade jeden Tag neu erlebst.