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Storytime: Umziehen mit Gott

Fabienne Diaconuvon Fabienne Diaconu
Glaubensleben
Storytime: Umziehen mit Gott

Als ich 18 wurde, machte mir mein (damals noch) Freund zu Silvester einen Heiratsantrag. Das war 2019/2020. Dann war für mich klar: Ich möchte umziehen, eine Ausbildung beginnen und heiraten. „Da hat sie sich aber ganz schön was vorgenommen“, magst du vielleicht denken. Wenn ja, bist du damit definitiv nicht allein, denn das haben vermutlich viele gedacht. Zum Glück wusste ich, dass meine Eltern bei diesen Entscheidungen hinter mir standen, wenn auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Wie dem auch sei, ich habe auf jeden Fall zeitnah begonnen, Bewerbungen zu verschicken, in der Hoffnung, möglichst bald eine Ausbildungsstelle als Mediendesignerin im Großraum Darmstadt zu bekommen. Mein Mann hatte zu dem Zeitpunkt bei Darmstadt studiert. Wir beide kommen ursprünglich aus Gummersbach, einer Kreisstadt in der Nähe von Köln. Es sind immer noch 40 Kilometer bis Köln, doch kaum jemand kennt Gummersbach ;-)

Parallel dazu stand mein Abitur bevor und ich büffelte fleißig für meine Prüfungen. Die ersten Absagen trudelten ein. „Nicht schlimm“, dachte ich, „ich probiere es weiter“. Mein Gebet war es, dass Gott Türen öffnet und schließt. Also habe ich weitere Bewerbungen geschrieben. Es wurde März und Corona legte alles lahm. Die Schule wurde geschlossen, das Abitur hing in der Schwebe und Gottesdienste gab es plötzlich nur noch online. Ich vermute, dass die Unsicherheit bei den Arbeitgebern groß war, denn ich erhielt weiterhin nur Absagen oder gar keine Antworten.

Irgendwann formte sich in meinem Kopf die Idee, doch einmal nach einem Ausbildungsplatz als Raumausstatterin zu suchen. Hier hatte ich bereits zwei Praktika vorzuweisen und ich dachte mir, das sei doch keine schlechte Voraussetzung. Allerdings war ich immer der Meinung gewesen, dass der Beruf nicht so ganz etwas für mich wäre …

Während es April wurde, schrieb ich also verschiedene Raumausstatter an, ob sie Ausbildungsstellen zu vergeben hätten. Von manchen erhielt ich Rückmeldungen, von anderen nicht. Doch auch hier kamen immer nur Absagen zurück. Ich war frustriert. Ich sag’s euch: Ich war echt verzweifelt. Ohne eine Ausbildungsstelle kein Umzug, ohne Umzug keine Hochzeit. Ich betete.

Währenddessen arbeitete ich einen Plan B aus. Ich hatte die Möglichkeit, an meiner ehemaligen Grundschule ein FSJ zu beginnen. Ich erklärte meine Situation und machte deutlich, dass ich eigentlich nach Ausbildungsstellen suchte und nicht mit Sicherheit sagen konnte, dass ich das FSJ antreten würde. Daraufhin erhielt ich eine Frist von zwei Wochen. Das war nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass bis dahin nur negative Rückmeldungen kamen. Wieder habe ich gebetet, dass Gott die richtige Tür öffnet und mir klar zeigt, was der Weg ist. Also habe ich mich neu drangesetzt und all diejenigen abtelefoniert, die sich bis dahin nicht zu meiner Bewerbung gemeldet hatten. Bei zwei Raumausstattern hatte ich „Glück“: Ich durfte meine Bewerbung hinschicken.

Und ob du es glaubst oder nicht, nach 4 Tagen erhielt ich die Zusage für ein Vorstellungsgespräch! Nach diesem Telefonat bin ich heulend auf meine Knie gegangen und ich habe Gott gedankt. Das klingt vielleicht etwas dramatisch, aber es war genau so. Ich verspürte solch eine Dankbarkeit und Erleichterung. Ich rief sofort meinen Verlobten an und erzählte ihm die guten Nachrichten. Und als Nächstes sagte ich dem FSJ ab.

„Aber ein Vorstellungsgespräch ist doch noch keine Zusage für eine Stelle!“, ist vielleicht dein Einwand. Ja, das war mir bewusst. Doch irgendwie hatte ich solch einen Frieden darüber, dass ich gesagt habe: Ich hänge jetzt zwar in der Schwebe und es steht nicht fest, dass ich diese Stelle bekomme, doch ich habe da großes Vertrauen.

Und so war es dann auch. Mit dem Vorstellungstermin warteten wir meine letzte Prüfung ab, sodass ich am 2. Juni 2020 nach Darmstadt fuhr und mich für die Ausbildung vorstellte.

Weitere 3 Tage später erhielt ich die Zusage! Die Euphorie war groß. Danke, Gott!

Und dann hatte ich noch 2 Monate, um eine Wohnung zu finden. Wie ich feststellte, war der Wohnraum in Darmstadt relativ kostspielig. Ich hielt nach passenden Inseraten Ausschau, telefonierte und schrieb viel. Beinahe wäre ich auf einen Betrüger hereingefallen, doch ich brach gerade noch rechtzeitig den Kontakt ab.

Dann hatte ich Kontakt zu einer Person, die für 3 Monate einen Untermieter suchte. Besser als nichts, dachte ich mir und wir vereinbarten einen Besichtigungstermin. Die Wohnung war jetzt nicht wirklich der Knaller, doch für mich reichte es aus. Und als hätte Gott nicht schon genug große Dinge bewirkt, konnte ich die Wohnung im Endeffekt als Hauptmieter übernehmen.

Ich könnte jetzt noch weiter schreiben, denn genauso geht es weiter mit der nächsten Wohnung, doch ich glaube, das würde den Rahmen hier sprengen.

Ich möchte dich ermutigen: Wenn du vor einer großen Entscheidung stehst, dann wende dich an Gott. Versuch nicht, deinen Weg auf Biegen und Brechen selbst zu bauen, sondern lass Gott die Türen öffnen und schließen. Genau das war wirklich mein Gebet über die ganze Zeit: „Herr, ich taste in alle Richtungen. Bitte öffne mir die richtige Tür und verschließe die anderen.“

Das ist nicht easy. Was ich hier jetzt geschrieben habe, waren mehrere Monate der Unsicherheit, der Wut, der Frustration, aber auch der Vorfreude, der Spannung und des ständigen Verlassens auf Gott. Ich habe mich in dieser Zeit sehr stark von ihm getragen gefühlt und bin heute immer noch so dankbar, dass er mich so geführt hat.