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Zukunftspläne schmieden

Fiona Pfeifervon Fiona Pfeifer
Berufung
Zukunftspläne schmieden

Wer kennt sie nicht, diese gewissen Fragen im Leben: „Du machst dann aber schon noch dein Abitur?“ – „Und was hast du nach dem Abitur vor?“ – „Wann bist du dann eigentlich fertig mit deinem Studium?“ – „Du willst doch sicherlich noch deinen Master machen?“ …

Ich weiß nicht, an welchem Punkt im Leben du zurzeit stehst, doch ich kann mir vorstellen, dass du diese speziellen Fragen bzw. solche Momente auch kennst. Ob gerade oder bald ein neuer Lebensabschnitt beginnt, die Menschen um uns herum erscheinen doch, wenn es um unsere Zukunft geht, äußerst interessiert. Diese Fragen können sicherlich hilfreich sein, um anzufangen, über sich und die eigene Zukunft nachzudenken. Sie können aber auch unangenehm und nervend sein. So kann unsere Gesellschaft damit den Anschein erwecken, dass nur das Erreichen gewisser Ziele und das Bewältigen bestimmter „Etappen“ im Leben zu echtem Glück und innerer Erfüllung führen.

Ich muss dich an dieser Stelle leider enttäuschen, oder besser gesagt, ich darf dich beruhigen. Auch ich war lange Zeit in diesem Denken gefangen. Schon am Ende meiner Schulzeit und somit kurz vor dem Abitur war ich sicher, Lehramt – am liebsten mit den Fächern Sport und Deutsch – zu studieren. Dem Trend entsprechend wollte ich zuallererst jedoch ein FSJ im Ausland machen, um über den Tellerrand Deutschlands zu schauen, Erfahrungen zu sammeln und mein Englisch zu verbessern. Alles erschien perfekt geplant und die Frage, was ich nach der Schule vorhätte, machte mir keine Angst. Doch dann kam das Leben – und somit die Realität. Kurzerhand wurde meine FSJ-Stelle in Neuseeland gestrichen und auch meine Gesundheit machte mir einen Strich durch die Rechnung, sodass ich kein Sportstudium beginnen konnte. Da stand ich also und fragte mich, was ich stattdessen machen könnte. Ich fing eine Ausbildung an einer Bibelschule an, doch merkte dort sehr schnell, dass mir zwar die Inhalte gefielen, ich mich aber in keinem der passenden Berufsfelder sah. Was sollte das, fragte ich mich? Meinte Gott es etwa doch nicht gut mit mir, oder war ich zu taub und blind gewesen, um auf sein Hören und Wirken zu achten?

Heute weiß ich, dass es nicht so ist. Der Blick in den „Rückspiegel“ lässt mich die Dinge klarer sehen: Meine FSJ-Stelle wurde nach Berlin verlegt, wo mein Chef Neuseeländer war und meine Mitbewohnerinnen ausschließlich Englisch sprachen. Durch die 6-monatige Ausbildung an der Bibelschule fand ich neue Freunde und lernte mich und auch Gott besser kennen. Ohne diese Erfahrungen wäre ich heute definitiv nicht die Person, die ich bin. Bis ich mein Studium anfangen konnte, blieb mir ein halbes Jahr, welches ich zum Arbeiten in einem Supermarkt nutzte. Diese Zeit kommt mir heute in meinem Studium zugute, denn ich kann sie mir als Praktikum in einem außerschulischen Betrieb anrechnen lassen, ebenso wie mein FSJ mit Kindern und Jugendlichen. Nichts von all dem war also vergebens, auch wenn es meinen Lebensweg etwas kurvig verlaufen ließ. Leider ist die Zukunft aber nicht im Rückspiegel zu betrachten, sondern will geplant werden.

Heute bin ich 24 Jahre alt, im letzten Semester vor meiner Examensarbeit und in 3 Monaten verheiratet. Man könnte meinen, ich hätte mein Leben im Griff, viele „Meilensteine“ erreicht und obendrein den Mann fürs Leben gefunden. Diese Aspekte meines Lebens machen mich zwar glücklich und erfüllen mich mit Stolz und Dankbarkeit, doch ich merke – ganz entgegen der gesellschaftlichen und vielleicht auch mancher persönlichen Vorstellung –, dass sie mich nicht vollends ausfüllen und sorgenfreier auf die Zukunft blicken lassen. Innerlich wünsche ich mir, dass Sprüche 31:25 auch auf mich zutrifft:

„Sie ist eine würdevolle Frau, zuversichtlich blickt sie in die Zukunft.“

Nicht mein Studienerfolg oder die Beziehung zu meinem Verlobten lassen mich automatisch entspannter und zuversichtlicher werden. Vielmehr bringt das Leben auch dadurch immer wieder neue Herausforderungen mit sich, denn plötzlich plant man nicht mehr allein die Zukunft, sondern muss sich abstimmen, Kompromisse eingehen. Ich erlebe hier, dass es scheinbar egal ist, in welcher Lebenslage man sich befindet, denn ein Brief vom Himmel mit Navigation durchs Leben wäre zu jeder Zeit von Vorteil! Geht’s dir da auch so?

Auch wenn dieser Brief so wahrscheinlich nie in deinem Briefkasten landen wird, sollten wir nicht aufhören, darauf zu vertrauen, dass Gott den besten Weg für unser Leben kennt und uns diesen auch entlangführen wird. Letztlich sind wir aber herausgefordert, aktiv daran mitzuwirken. Es hilft also nichts, sich resignierend in den Sessel fallen zu lassen und genauso wenig sollte man sich von anderen Menschen durch ständiges Fragen unter Druck setzen lassen. Ich glaube, es ist wichtig, beim Schmieden der Zukunftspläne die Realität abschätzen zu lernen. Es gibt viele Menschen, die sich um harmlose Dinge sorgen, sich aber beispielsweise keine Gedanken über die Auswirkungen übermäßigen Tabak- oder Alkoholkonsums machen. Ein sachlicher Blick sollte so die Basis für die Zukunftsplanung darstellen. Zudem hilft es, sich immer wieder kleine Ziele zu stecken und Visionen im Blick zu behalten, deren Erreichen umsetzbar ist, denn das motiviert. Letztlich können wir unsere Zukunft aber nie zu einhundert Prozent planen und so sollten wir immer auch bereit sein, uns überraschen zu lassen und das Unerwartete neugierig zu empfangen.

Mir hilft in solchen Momenten, wenn ich mal wieder an einem neuen Lebensabschnitt stehe und die nahe oder ferne Zukunft geplant werden will, die Vergangenheit sowie mein Hier und Jetzt zu betrachten. Hierbei können folgende Fragen für eine Reflexion des Lebens und der eigenen Person helfen:

  • Womit bin ich in meinem Leben zufrieden, was möchte ich ändern?
  • Was sind meine Stärken?
  • Was sind meine Träume und meine Ziele für die (nahe und ferne) Zukunft?
  • Was kann ich tun, um meine Ziele zu erreichen?
  • Wer kann mir dabei helfen?

Und wenn es dann eben doch diese Tage gibt, an denen ich zweifle und mich frage, ob ich auf dem „richtigen“ Weg bin, dann weiß ich, dass Gottes Gnade allein genügt und ich somit jederzeit wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken darf:

„Ja, Herr, du bist auch in Zukunft für mich da, deine Gnade hört niemals auf! Was du angefangen hast, das führe zu einem guten Ende!“ – Psalm 138:8