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Darf's ein bisschen mehr sein?

Fiona Pfeifervon Fiona Pfeifer
Glaubensleben
Darf's ein bisschen mehr sein?

Wenn ich ehrlich bin, kannte ich ihn lange Zeit nicht wirklich gut. Natürlich wusste ich, dass er existiert. Das hatte ich von Anfang an gelernt und auch so akzeptiert. Doch nicht zu wissen, ob es sich um eine Person oder doch eher eine Kraft handelt, ob er nun an erster, zweiter oder sogar erst an dritter Stelle steht und wie viel ich davon überhaupt zum Leben brauche, verwirrte mich. Und war das alles nicht Verwirrung genug, so stellte sich heraus, dass mein Bild von ihm und meine Erwartung an ihn im Ursprung schon falsch war.

Um die Verwirrung, die sicherlich auch bei dir während des Lesens aufgekommen ist, nun zu beseitigen, möchte ich offenlegen, um wen oder was es hier eigentlich geht: den Heiligen Geist.

Völlig logisch ist, dass etwas, das als Trinität bezeichnet wird, auch drei Teile enthalten muss. Im christlichen Glauben sind das folglich Gott der Vater, Jesus der Sohn und der Heilige Geist. Nicht selten habe ich erlebt, dass in meinem und auch dem Denken der Christen in meinem Umfeld eine Priorisierung und Rangfolge dieser drei erstellt wurde. Sicherlich war das auch der Tatsache geschuldet, dass man sich unter der Bezeichnung des Vaters und des Sohnes viel eher etwas vorstellen kann als unter einem Geist, der heilig sein soll. Für viele klingt das eher „spooky“. Doch lass mich dir an dieser Stelle einen ersten wichtigen Fakt nennen, der unser Denken verändern soll. Gott, Jesus und der Heilige Geist sind keine Rivalen und stehen nicht auf unterschiedlichen Positionen. Sie alle sind Teil einer heiligen Trinität und bedürfen sich gegenseitig. Je mehr Geist Gottes in unserem Leben ist, desto mehr ist auch Jesus da. Je mehr wir verstehen, was Jesus durch seinen Tod am Kreuz für die Welt getan hat, desto mehr verstehen wir auch, wie Gottes Herz sein muss. Unser Ziel sollte also sein, diese Trinität mehr und mehr als etwas Vollkommenes und Wunderbares anzusehen, das wir immer besser kennenlernen sollten.

Doch wie vertraut ist dir der Heilige Geist?

Lange Zeit dachte ich, dass alle Christen den Heiligen Geist auf die gleiche Art und Weise kennen und erleben müssten. Wenn es schließlich nur einen Geist gibt, dann wirkt er sicherlich auch bei allen Christen gleich. Ich empfand es folglich als Druck, wenn andere mir erzählten, was der Heilige Geist ihnen offenbarte, wie er zu ihnen redete und wie sie scheinbar überfüllt von ihm durchs Leben liefen. Doch so, wie jede Speise unterschiedlich schmeckt, obwohl sie immer mit dem gleichen Salz gewürzt wird, sind auch wir Christen unterschiedlich, obwohl wir alle mit dem gleichen Geist gesegnet sind. Folglich müssen wir das Erleben und Wirken des Heiligen Geistes bei anderen nicht zu unserem eigenen Maßstab machen.

Doch kann der Heilige Geist mit dir machen, was er will?

Wie der Geist Gottes in unserem Leben wirkt, hängt stark davon ab, welches Bild wir von ihm haben. Wie eingangs erwähnt, so war mein Bild lange Zeit unklar und hat sich mehr an dem Leben anderer Christen als an den Aussagen der Bibel über ihn orientiert. Mein Vertrauen zu Gott und Jesus war von Beginn meines Glaubenslebens an viel schneller hergestellt und somit auch intensiver. Wenn dann solch ein Heiliger Geist in meinem Leben macht, was er will, ist es dann nicht vielleicht sogar gefährlich? Nein, zum Glück nicht! Die Verbindung zum Heiligen Geist stellt sich hingegen als etwas ganz Besonderes heraus. Wenn wir der Bibel glauben, dann sind wir mit unserem Körper ein Wohnraum für ihn. Und hierbei nicht nur irgendeiner, sondern sogar ein Tempel (vgl. 1. Kor. 6:19). Die Kraft Gottes lebt mit dem Geist Gottes direkt in uns und wartet nur darauf, wirken zu dürfen. Der Geist Gottes ist zu jeder Zeit verfügbar und assistiert uns in jeder Lebenslage. Er möchte uns Dinge wie Trost, Beistand und Mut zusprechen, wann immer wir sie brauchen. Faszinierend daran ist, dass diese Kraft Gottes insbesondere in den Brüchen unseres Lebens zum Aufblühen kommt.

Gott spricht dir zu, dass insbesondere dann, wenn du schwach bist, seine Kraft ganz besonders an und in dir wirkt (vgl. 2. Kor. 12:9). Darum dürfen wir vor allem in unserer Schwachheit zuversichtlich sein, denn dann erweist sich die Kraft von Christus an uns! Das größte Hindernis für den Heiligen Geist ist folglich, wenn sich Menschen zu stark fühlen und das Leben aus eigener Kraft meistern wollen.

Doch wie viel Heiligen Geist braucht es?

Wenn ich auf die Kraft und das Wirken des Heiligen Geistes vertraue, merke ich schnell, dass ich gar nicht mehr ohne ihn leben möchte. Viel zu entspannend ist der Gedanke, dass ich auf etwas zurückgreifen kann, das mir Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung im Überfluss schenken möchte (vgl. Galater 5:22). Seit Pfingsten wird der Heilige Geist über die Menschen ausgegossen und wir dürfen darauf vertrauen, dass er stets mit uns geht und uns nicht mehr loslässt. So wird Nachfolge zu einer Art Tanz, einem „geführt werden“ von Jesus durch die Kraft seines Geistes. Als Antwort auf die Frage, wie viel Geist Gottes es dazu braucht, habe ich nun eine Übung für dich:

Schließe die Augen. Atme tief ein, sodass du genügend Sauerstoff hast. Für den Rest deines Lebens. Okay, geht nicht auf einmal, merkst du selbst, sondern das Atmen muss sich stetig wiederholen. Also, mach dich locker. Fang an, dich zu öffnen und streck dich nach dem Heiligen Geist aus. Lass dich neu erfüllen, mit jedem Atemzug. Nicht nur einmal und heute, sondern jeden Tags aufs Neue. Gott hält so viel mehr für dich bereit, als du dir vorstellen kannst. Er fragt sogar gern: Darf‘s ein bisschen mehr sein?