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Jesaja - Warum es mein Lieblingsbuch der Bibel ist
Als ich hörte, dass sich der nächste Blogbeitrag um „mein“ Lieblingsbuch in der Bibel dreht, war mein erster Gedanke: „Da würde mir die Wahl leichtfallen.“
Zugegeben, im Neuen Testament kann ich mich auch nicht so richtig entscheiden. Ich liebe das Evangelium von Jesus bei Lukas und das Thema der Freiheit im Galaterbrief. Im Alten Testament hingegen ist meine Wahl eindeutig – Jesaja. Ich weiß noch genau, wie ich mich beim ersten Lesen von Kapitel 1 bis 39 durchgequält habe und dachte, das ist ganz schön harter Tobak. Geht es hier denn nur um Gericht? Inzwischen sehe ich es anders, und ich finde, dass kaum ein biblischer Autor Gottes Charakter so umfassend präsentiert wie der Prophet Jesaja. Er zeigt, dass es in einer turbulenten Welt Hoffnung und ein großes Licht für „das Volk, das im Finstern wandelt“ (Jesaja 9:1) gibt. Bei Jesaja tritt Gott als gerechter Richter (33:22), als fürsorglicher Vater (63:16), als Schöpfer aller Dinge (42:5) und als Retter sowie Erlöser (43:11) auf.
Um nicht zu ausschweifend zu werden, möchte ich Euch kurz in mein absolutes Lieblingskapitel 40 hineinnehmen, in dem zwei Charakterzüge Gottes in besonderer Weise auftauchen.
Gott, mein König
Der Gott Israels tritt als König auf, dessen Herrlichkeit offenbart werden soll. Dabei wird Gott sogar als „gewaltig“ beschrieben, als einer, der ewig herrscht. Mein Gott ist ein Gott, der über dem Kreis der Erde thront und der das Wasser der Meere mit der hohlen Hand misst (40:1-10+12+22). Wow, was muss das für ein großer Gott sein!
Gott, mein Hirte
Wortwörtlich im selben Atemzug beschrieb Jesaja Gott als einen Hirten, der seine Lämmer auf seinen Arm nimmt. Wie fürsorglich! Das Bild des Hirten erscheint hier nicht zum letzten Mal. Jesus selbst griff es wieder auf, als er sagte:
„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (Johannes 10:11)
Gott, mein König und mein Hirte
Der Gott, von dem Jesaja schrieb, ist kein simpler Gott, der sich einfach fassen lässt. Er ist nicht eindimensional, sondern komplex, geradezu paradox. Gott ist für dich und mich nicht vollends zu erforschen. Neulich habe ich mich gefragt, weshalb es mir manchmal so schwerfällt, Gottes Zusagen zu vertrauen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich vergesse, wer Gott ist. Wenn ich vergesse, dass Gott regiert und der König aller Könige ist, verliere ich schnell die Hoffnung auf eine bessere Welt und dann schaue ich mutlos in die Zukunft. Und wenn ich vergesse, dass Gott nicht nur König ist, sondern auch Hirte, dann habe ich Zweifel an seiner persönlichen Fürsorge für mich. Gott ist sowohl groß als auch gewaltig UND zugleich liebevoll und zärtlich. Aus einer Predigt von Timothy Keller blieb mir dieser Satz in Erinnerung: „If you don’t know God as all, you don’t know him at all.“
Weihnachten 700 Jahre vor Christus
Abschließend noch ein weiterer Grund, weshalb Jesaja mein „Lieblingsbibelbuch“ ist. Ich liebe Weihnachten. Spätestens im Oktober habe ich schon Lust auf Weihnachtslieder, und die Deko für die Adventszeit kann nicht kitschig genug sein. Bereits Jesaja hat ca. 700 Jahre vor Christus die Geburt eines Kindes, des Sohnes Gottes angekündigt. Wie ich finde, zeigt auch dieser Abschnitt, dass Gott sich in Jesus nicht auf eine Charaktereigenschaft reduzieren lässt:
„… er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“ (Jesaja 9:5)
Mit der Geburt von Jesus kam sowohl der wahre Hirte als auch der wahre König auf die Welt. Ich finde, es ist „mind-blowing“, dass wir an einen Gott glauben dürfen, der zu jeder Zeit regiert und der so liebevoll ist, dass er als Kind in einem Stall zur Welt kommt, um für uns der Hirte zu sein, dem wir blind vertrauen dürfen.