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Sicher in unsicheren Zeiten: Hoffnung aus dem Nichts (Jesaja 40)

Annemieke Binggelivon Annemieke Binggeli
Hoffnung
Sicher in unsicheren Zeiten: Hoffnung aus dem Nichts (Jesaja 40)

Der Boden unter den Füßen erscheint nicht mehr stabil. Pläne zerbrechen, Sicherheiten verschwinden. Und der Blick in die Zukunft bereitet mehr Angst als Hoffnung.

Dieses Gefühl von „Ich weiß nicht weiter“ begegnete mir in meinem Leben schon öfter. Und schauen wir auf unsere Welt, in die aktuellen Schlagzeilen, können wir tatsächlich den Eindruck bekommen: Diese tief empfundene Unsicherheit dem Leben, der Welt und der Zukunft gegenüber nimmt zu! Da ist diese eine quälende Frage: „Wie soll das alles bloß werden?“

Wo ist Gott? Und was, wenn niemand mehr etwas tun kann?

Die Bibel kennt genau solche Situationen. Eine davon war das babylonische Exil: Das Volk Israel war verschleppt worden. Raus aus der Heimat, raus aus dem Gewohnten. Der Tempel, das Zentrum ihres Glaubens, war zerstört worden. Die Welt der Israeliten war zerbrochen. Sie lebten in einem fremden Land unter einer fremden Macht, hoffnungslos, gedemütigt, ohne Perspektive. Und die Israeliten, das erwählte Volk Gottes, fragten sich: „Hat Gott uns tatsächlich verlassen?“

Mitten in diese Verzweiflung hinein sprach Gott. Genauer: durch seinen Propheten Jesaja, in Kapitel 40 des gleichnamigen Buches, bis heute nachzulesen. Eine Botschaft an Menschen in der Fremde, im Schmerz, in der Krise. Sie beginnt nicht mit einer Anklage, sondern mit einem liebevollen Befehl:

„Tröstet, ja, tröstet mein Volk!“ (Jesaja 40:1)

Gott sah das Leid seines Volkes. Und er sprach zu ihnen: „Ihr denkt, ich wäre weit weg. Dabei bin ich ganz nah bei euch! Ich habe euch nicht vergessen.“

Darauf folgte eine zentrale Erinnerung, eine Art Weckruf für sein Volk:

„Blickt nach oben! Schaut den Himmel an: Wer hat die unzähligen Sterne geschaffen?“ (Jesaja 40:26)

Gott erinnerte sie: „Ich bin der Schöpfer. Derjenige, der aus dem Nichts die ganze Welt gemacht hat. Und das bedeutet: Es gibt keine Situation, die so dunkel ist, dass ich selbst dort nicht Hoffnung schaffen könnte. Kein Exil, keine Niederlage und auch kein inneres Chaos sind zu groß für mich.“

Diese Worte berühren, denn sie galten nicht nur dem Volk Israel damals, sie gelten auch uns heute. Wir dürfen zu recht glauben: Gott kann aus dem Nichts etwas Neues schaffen.

Diese Wahrheit zieht sich durch die ganze Bibel. Auch in der Geburt Jesu begegnete uns ein Gott, der mitten ins Unscheinbare kam. Jesus wurde nicht in einem Palast geboren, sondern in einem Stall. Nicht als König mit Macht, sondern als hilfloses Baby. Viele zur damaligen Zeit hofften, er würde das politische System umkrempeln. Denn auch damals stand das israelische Volk unter einer Besatzung. Nicht unter der babylonischen, sondern unter der römischen. Jesus sollte in den Augen der Israeliten die römische Herrschaft vertreiben und sofort für Gerechtigkeit sorgen. Doch Jesus kam nicht, um äußere Umstände zu verändern, sondern um uns selbst zu verändern.

Jesus kam, um Hoffnung zu bringen, die tiefer reicht als jede politische Lösung.

In seiner Endzeitrede verhieß Jesus das Gegenteil einer heilen Welt: Kriege, Erdbeben, Katastrophen, Verwirrung. Und doch sagte er: „Lasst euch dadurch nicht erschrecken!“ (Matthäus 24:6) Weshalb? Weil Gott größer ist als die Umstände. Weil er bleibt, auch wenn alles andere zerfällt. Und weil die wahre Hoffnung nicht davon abhängt, dass unsere Welt perfekt ist. Am Ende steht die ewige Erlösung, das ewige Leben bei Gott. Und das trotz der Krisen – oder gerade durch die Krisen hindurch:

„Ihr werdet von Kriegen hören und davon, dass Kriege drohen. Lasst euch dadurch nicht erschrecken! Das muss geschehen, doch es bedeutet noch nicht das Ende. Ein Volk wird gegen das andere kämpfen und ein Königreich das andere angreifen. In vielen Teilen der Welt wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. Das alles ist aber erst der Anfang – so wie die ersten Wehen bei einer Geburt.“ (Matthäus 24:6-8)

Dieses Prinzip Gottes zeigt sich auch in unserem ganz persönlichen Leben. Ich durfte erleben: Gott braucht nicht viel, um etwas zu tun. Eigentlich braucht er gar nichts. Außer ein Herz, das offen für ihn ist. Ich erinnere mich an eine Phase, in der ich innerlich leer war. Doch gerade dann, als ich nichts mehr in der Hand hatte, hat Gott angefangen, etwas Neues zu tun. Kein plötzlicher Knall, sondern ganz leise: Ein Satz in der Bibel, der mich traf. Ein Gespräch, das mein Herz berührte.

Hoffnung beginnt nicht, wenn alles gut ist.

Hoffnung beginnt, wenn Gott da ist.

Und Gott ist da.

Vielleicht bist du derzeit an einem Punkt, an dem du sagst: „Ich habe keine Kraft mehr.“ Dann möchte ich dir sagen: Das ist okay. Du musst nichts leisten, um Hoffnung zu empfangen. Denn der Gott, der die Welt aus dem Nichts geschaffen hat, kann auch aus deiner Situation heraus etwas Neues entstehen lassen. Selbst dann, wenn du es nicht siehst, nicht spürst, nicht erwartest.

Gott wirkt auf den großen und ganz kleinen Ebenen: In Gesellschaften, in Systemen, in Ländern. Doch genauso: in einzelnen Herzen. Vielleicht auch in deinem.

Er ist der Gott, der aus dem Nichts die Welt erschaffen hat.

Die Welt mag sich verändern, und sicherlich nicht stets zum Guten. Doch:

„Jesus Christus ist und bleibt derselbe, gestern, heute und für immer.“ (Heb 13:8)