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Den Glauben weitergeben: Die schlechte Nachricht der guten Botschaft
Sagst du Menschen gern, dass sie Sünder sind? Nein? Ich auch nicht. Dann haben wir ja etwas gemeinsam. Und doch möchte ich zu Beginn dieser Reihe darauf eingehen, wie wichtig dieser Punkt wirklich ist.
Vielleicht kennst du diese Aussagen: „Gott liebt dich so, wie du bist“ – „Gott ist Liebe“ – „Gott meint es gut mit dir“. Das ist wahr! Und doch ist es nicht alles. Wenn du einem Menschen das Evangelium weitergeben möchtest, ist es essenziell, das ganze Evangelium zu erzählen.
Ich gebe dir mal ein Beispiel. Stell dir vor, du kennst einen Menschen, der offensichtlich eine schwere Krankheit hat. Doch diese ist im Alltag nicht wirklich auffällig und deshalb weiß er nicht, dass er krank ist. Jetzt erfährst du von einer Heilungsmöglichkeit für diese Krankheit. „Das ist genial!“, denkst du dir: „Jetzt kann er endlich gesund werden!“
Doch natürlich muss dieser Mensch erst erfahren, dass er krank ist, damit er den Genesungsprozess beginnen kann. Das mag ihm den Boden unter den Füßen wegziehen, seine Welt bricht zusammen. Und doch ist das die einzige Möglichkeit, damit er weiterleben kann.
Was würde passieren, wenn du ihn nicht auf diese Krankheit aufmerksam machst und ihm dennoch die Heilungsmöglichkeit nahebringen willst? Du würdest beginnen, ihm das vielleicht als Kur-Programm zu verkaufen oder ihm erzählen, das Mittel würde z. B. seinen Schlaf verbessern. Doch versteht er dann die Brisanz der Lage? Nein! Damit man wirklich gesund werden kann, muss man verstehen, dass man krank ist.
Wie ist es also mit dem Zustand, in dem wir uns befinden? Die Bibel sagt in Römer 3:
„… wie geschrieben steht: »Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer!“
Das sind harte Worte. Zugleich müssen wir lernen, diese schlechte Nachricht zu verstehen, um die gute Botschaft zu begreifen. Doch was ist die gute Botschaft?
Du und ich, wir sind Geschöpfe Gottes. Doch wir möchten nicht das tun, was Gott will, wir möchten lieber unser eigener Gott sein. Wir verfehlen das Ziel, das Gott eigentlich für uns vorgesehen hat. Kurz gesagt: Wir leben in Rebellion gegen Gott. Und das hat eine Konsequenz: Wir alle stehen eines Tages bei unserem Schöpfer vor Gericht. Wie lautet wohl das Urteil? Schuldig! Wir sind alle schuldig vor Gott und können seinem Bild nicht entsprechen. Wie also wird dieser Konflikt gelöst? Niemand anders als Gott selbst hat diesen Weg wieder frei gemacht: Jesus kam als Mensch auf diese Welt und ist für deine und meine Schuld an unserer Stelle am Kreuz gestorben. Jesus trug die Strafe, die wir eigentlich verdient hätten, sodass wir nun, wenn wir an Jesus glauben, ewiges Leben bei Gott haben können.
Das ist das ganze Evangelium! Wenn wir jedoch diesen essenziellen Teil weglassen, wenn wir von Jesus erzählen, dann wird aus einer lebensrettenden Botschaft ein Bericht von einem „Add-on“ für ein schöneres Leben. Und das Resultat? Jesus sagte zu seinen Jüngern in Matthäus 7:
„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“
Das Resultat ist eine falsche Gewissheit! Und das ist wirklich gefährlich. Wenn ein Mensch nicht erkennt, dass er vor Gott schuldig geworden ist, dann kann er noch so oft „Herr, Herr!“ sagen – es wird ihn nicht retten. Wie auch? Er weiß ja nicht einmal, dass er Rettung braucht! Man muss die schlechte Nachricht verstehen, um die gute Botschaft zu begreifen.
Natürlich kann man auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Es ist genauso ungesund, einem am Evangelium interessierten Menschen ausschließlich von einem zornigen Herrscher zu erzählen, der mit einem schrecklichen Gericht wartet und uns schnurstracks in die Hölle schickt. Wir wollen keine Angst verbreiten! Beide hier beschriebenen Seiten sind real. Und es braucht beide Aspekte, damit der Mensch versteht, in welcher Lage er sich befindet.
Ich glaube, in unseren Kreisen tendieren wir häufiger dazu, dem ersten Aspekt mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den zweiten etwas unter den Teppich fallen zu lassen.
Hey, davon nehme ich mich nicht aus! Es ist schön und eindeutig bequemer, jemandem zu sagen: „Jesus liebt dich, entscheide dich für ihn!“, als ihm klarzumachen, dass ihm ewige Verdammnis droht. Trotzdem müssen wir es tun, denn erst dann versteht ein Mensch das Werk am Kreuz und kann er sich von Jesus retten lassen. Der schönste Aspekt daran ist: Diese Rettung ist ein Geschenk! Wir müssen (und könnten) dafür nichts tun. Es ist allein die Gnade Gottes, dass wir durch Jesus zu ihm kommen dürfen. Und das ist wahrlich die beste Botschaft überhaupt!