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Storytime: Wenn Gott aus einer Krise etwas Gutes macht
„Gott macht aus Sch*** Dünger!“*
Kennst du diesen Spruch? Ich glaube, ich habe ihn entweder mal in einer Predigt des ICF-Pastors Tobias Teichen oder in einem Song der christlichen Rapper O’Bros gehört. Auf jeden Fall finde ich ihn treffend, natürlich etwas provokant formuliert, aber einprägsam und daher ermutigend! 😊
Dieses Statement trifft auf die persönliche Story aus meinem Leben zu, von der ich dir heute gern mehr erzählen möchte. Ich möchte dir damit zeigen, dass und wie Gott aus den schlechten Dingen in unserem Leben Gutes entstehen lässt. Die Krise deines Lebens kann Gott zum Besten gebrauchen. Ich selbst finde persönliche Zeugnisse von Menschen über das, was sie ganz konkret mit Jesus erlebt haben, so motivierend für mein eigenes Glaubensleben. Also lass dich ermutigen!
Ende des letzten Jahres traf mich persönlich eine Nachricht wie ein Schlag. Vollkommen unerwartet war eine nahestehende Person aus meiner Familie nach jahrzehntelanger Abstinenz zurück in die Alkoholsucht gerutscht. Alle Familienmitglieder schätzen einander sehr und generell hat die Familie bei uns einen hohen Stellenwert. Also rüttelte das die gesamte Familie einmal ordentlich durch.
Du musst wissen, dass ich erst im Oktober, also wenige Wochen zuvor, meinen Ehemann geheiratet habe. Als frisch verheiratetes Paar wurden wir direkt mit einer ausgewachsenen Familienkrise in unserem direkten Umfeld konfrontiert.
Wir alle konnten nicht verstehen, wie es dazu gekommen sein konnte. Es gab keine äußeren Anzeichen vorab. Die Person selbst litt darunter, aber ebenso sehr alle anderen. Auf einmal wusste niemand mehr so richtig, was jetzt zu tun war. Erst recht nicht dann, als der zweite Alkoholabsturz nur wenige Tage später folgte. Das alles hatte weitreichende Konsequenzen. Und niemand wusste wirklich, wie er helfen konnte. Die Person wollte sich zunächst keine Hilfe holen und die Notlage sowie die hohe Belastungsprobe für die eigene Familie nicht erkennen. Wie es in solchen überreizten Situationen so ist, gab es Familiensitzungen, viele Tränen, Streit und Konflikte, die überkochten.
Und mein Mann und ich? Uns nahm es mit. Und es schüttelte uns auch einmal ordentlich durch. Die ganze Situation riss auch bei mir alte Wunden wieder auf.
Direkt in der akuten Lage hatten mein Mann und ich den Impuls, uns dann Gesprächspartner zu suchen, mit denen wir über dies alles professionell sprechen konnten. Wenn sich die betroffene Person nicht direkt Hilfe holen mochte, wollten wenigstens wir Seelsorge für uns in Anspruch nehmen. Da sich die Situation zu Beginn sehr zuspitzte und den gesamten Familienfrieden herausforderte, war uns bewusst, dass wir als frischgebackenes und damit unerfahrenes Ehepaar gut daran täten, das alles zu reflektieren und möglichst weise zu handeln. Denn wir waren damit schlichtweg überfordert.
Also besuchten wir am darauffolgenden Sonntag eine Gemeinde, bei der wir uns vorab informiert hatten, dass sie ein breites Seelsorge-Angebot hat. Nach dem Gottesdienst wussten wir nicht genau, wen wir nun ansprechen sollten, wir kannten ja niemanden. Da kam der Pastor der Gemeinde auf uns zu. Er sprach uns an, da wir neue Gesichter waren. Und direkt fassten wir unseren Mut und wir erzählten ihm von der aktuellen Lage in unserer Familie. Er nahm sich Zeit, machte uns einen Kaffee und holte ein älteres Ehepaar mit langjähriger Seelsorgeerfahrung zu uns an den Tisch. Wir sprachen mit ihnen über eine Stunde lang. Danach folgten einige Seelsorge-Sitzungen bei ihnen, die uns durch die herausfordernde Lage in der Familie hindurchmanövrierten. Gott sei Dank stabilisierte sich die Situation nach und nach. Das Familienmitglied nahm nach einiger Zeit ebenso professionelle Hilfe in Anspruch. Da die Person Jahrzehnte zuvor in einer massiven Alkoholsucht, die das eigene Leben damals zerstörte, gefangen und danach eigentlich so viele Jahre lang „trocken“ gewesen war, waren diese Maßnahmen unabdingbar.
Es folgte seither kein weiterer Alkoholabsturz mehr. Das war schon mal der erste Segen. Hier ist die Geschichte aber noch nicht vorbei.
Das Seelsorge-Ehepaar wusste, dass ich diesen Sommer mein Studium beenden würde. Ich wusste nicht genau, wie es danach für mich weitergehen würde, und auch das bereitete mir so manches Mal Kopfzerbrechen. An einem Abend sprachen sie mich direkt darauf an, dass in ihrer Gemeinde genau zum passenden Zeitpunkt eine Stelle frei werden würde, die exakt zu mir und meinem Studium passt.
Ich überlegte nicht lang, bewarb mich auf die Stelle und einige Wochen später unterschrieb ich den Vertrag. Mein Mann und ich wissen nun, welche Gemeinde wir bereits jetzt und zukünftig unser neues Zuhause nennen werden. Wir haben neue Freunde gefunden und wir sind sehr dankbar, dass ich bereits jetzt weiß, dass es nur eine Woche nach meinem Abschluss hinein in meine Arbeitsstelle gehen wird, die auch nur ein paar Straßen von unserer Wohnung entfernt liegt.
Heute blicken wir ein halbes Jahr zurück und wir erkennen Gottes Handschrift in allem, was war. Wir hatten uns nach unserer Heirat und unserem Umzug nach einer Gemeinde gesehnt, in der wir uns gemeinsam heimisch fühlen können. Und natürlich war auch eine passende Arbeitsstelle für mich auf unserer Gebetsliste weit oben. Dann passierte vollkommen unabhängig von uns die Krise in der Familie. Das war wirklich leidvoll und ist absolut nicht kleinzureden. Doch wer Gott vertraut, der darf erleben, dass inmitten von Ungerechtigkeit, Krisen und geschlossenen Türen Gott etwas Neues entstehen lässt.
Die Krise ist nicht das Ende deiner Geschichte. Du darfst gespannt sein, wie Gott dich gerade in der Krise formen und dir neue Türen öffnen wird.