Unseren diesjährigen Sommerurlaub haben wir entgegen den letzten Malen nicht in den Bergen, sondern am Meer verbracht. Genauer gesagt auf der Nordseeinsel Langeoog. Als Urlauberin mit jahrelanger Bergerfahrung wurde ich da doch glatt auf die Probe gestellt. Was eigentlich jedes Kind weiß, war mir offenbar nicht bewusst gewesen: An der See weht häufig ein frischer Wind. An diesen Tagen war der Wind jedoch nicht nur frisch, sondern auch sehr, sehr stark. So stark, dass einem der Sand überall an den Körper geweht wurde, man nichts außer den Lärm des Windes hörte, einem die Haare ständig ins Gesicht geblasen wurden und die Kappe vom Kopf flog, wenn man sie nicht festhielt. Hierbei entstanden in mir sowohl ein Gefühl des Respekts vor der Kraft des Windes als auch eine Faszination dafür.
Auch in der Bibel wird der Wind als Sinnbild thematisiert:
„Es ist damit wie beim Wind: Er weht, wo er will. Du hörst ihn, aber du kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht. So ist es auch mit der Geburt aus Gottes Geist.“ (Johannes 3:8)
In diesen Versen sprach Jesus bei Nacht mit Nikodemus, einem angesehenen jüdischen Lehrer, über das Thema „Neu geboren werden“ – eine radikale, geistliche Wahrheit, die Nikodemus nicht sofort verstand. Für einen Mann wie ihn, der es gewohnt war, Gottes Nähe durch sichtbare Frömmigkeit, klare Regeln und religiöse Leistungen zu definieren, muss dieses Bild irritierend gewesen sein. Jesus sprach von einer unsichtbaren, nicht kontrollierbaren Kraft, die das Herz eines Menschen verändert – etwas, das sich nicht durch äußere Werke bewirken lässt. Um dies zu verdeutlichen, nutzte Jesus das Bild vom Wind und hielt fest:
Der Wind ist unsichtbar, doch man spürt ihn.
Der Wind ist nicht kontrollierbar.
Man sieht seine Wirkung.
Genau diese Aspekte des Windes sind mir auch am Meer bewusst geworden: Ich kann den Wind nicht sehen, nur seine Kraft und seinen Einfluss spüren – genauso wie bei Gottes Geist.
Diesen Einfluss habe ich schon oft in meinem Leben gespürt: Gott wirkt, wo ich es nicht im Voraus geplant habe oder beeinflussen konnte. Ein Beispiel dafür war meine Studienzeit. Ursprünglich wollte ich Lehramt für Gymnasien mit den Fächern Sport und Deutsch studieren. Doch gesundheitliche Probleme führten dazu, dass ich mein Studium unterbrechen und ganz neu planen musste. Damals war ich verzweifelt und ich fragte Gott: „Wieso ich?“ Insbesondere, weil ich ihm mein Leben schon lange anvertraut hatte. Rückblickend sehe ich jedoch, wie Gott mitten in dieser Unsicherheit neue Türen öffnete, mich auf andere Wege führte und mir Begegnungen schenkte, die ich sonst nie erlebt hätte. Heute weiß ich: Auch wenn ich den Weg nicht gesehen habe, hat Gottes Geist gewirkt und den entscheidenden Unterschied bewirkt.
Oft wünschen wir uns allerdings vorzeitige Klarheit, ausgefeilte Pläne und eigenmächtige Kontrolle, doch der Geist Gottes führt manchmal in Richtungen, die wir eben nicht im Blick haben oder als richtig wahrnehmen. So ist es mit dem Wirken des Heiligen Geistes wie mit dem Wind: Wir können ihn weder greifen noch festhalten, doch wir können uns ihm bewusst aussetzen.
Lass mich dir zum Schluss noch drei kleine Impulse mitgeben:
1. Sei offen.
Halte im Alltag stets die Augen und dein Herz offen für kleine Impulse des Heiligen Geistes.
2. Reagiere.
Wenn Gott dich anstößt, dann gehe mutig den nächsten Schritt, auch wenn du den ganzen Weg noch nicht siehst.
3. Vertraue.
Der Wind kennt seinen Weg, auch wenn du ihn nicht kennst. So ist es auch mit dem Geist Gottes.
„Verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn!“ (Sprüche 3:5)
Mir persönlich fällt es nicht immer leicht, diese drei Aspekte zu verinnerlichen, doch ich habe im Laufe der Jahre erlebt, dass Gott treu führt und stets unser Bestes im Sinn hat.
So konnte ich den Nordseewind zwar nicht stoppen, aber ich konnte mich ihm ganz aussetzen und mich im Innern daran erinnern, dass auch Gottes Geist in meinem Leben wehen will. Das ist mein Wunsch: dass Gottes Geist in meinem Leben immer mehr zum Wirken kommt, mich trägt und mir neue Wege aufzeigt.
Spürst du gerade den Wind Gottes in deinem Leben? Vielleicht ist es auch an der Zeit, sich erneut den erfrischenden Böen auszusetzen. Sei offen, reagiere und vertraue!