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Zweifel: Warum ich? - Wenn der Glaube auf die Probe gestellt wird

Fiona Pfeifervon Fiona Pfeifer
Hoffnung
Zweifel: Warum ich? - Wenn der Glaube auf die Probe gestellt wird

Wenn du schon einmal einem Kleinkind begegnet bist, ist dir wahrscheinlich aufgefallen, dass es ständig fragt: „Warum?“

Im Alter von 3 - 5 Jahren entwickeln Kinder ihr Denken weiter und lernen, Zusammenhänge zu erkennen. Sie begreifen, dass Dinge Gründe haben – und wollen sie verstehen. Für Erwachsene kann das ermüdend sein, vor allem dann, wenn die passenden Antworten fehlen.

Doch auch mir als Erwachsenem ergeht es manches Mal im Leben noch so, dass die Frage „Warum?“ aufkommt. Ich möchte Gründe kennen und Ursachen verstehen. Im Alltäglichen genauso wie bei großen Ereignissen. Und mein „Warum“ richtet sich nicht ins Leere, sondern an Gott selbst. An den, der meines Erachtens die Dinge lenkt und das nötige Wissen darüber hat. In Psalm 139:16 heißt es:

„Du sahst mich schon, als mein Leben im Leib meiner Mutter entstand. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben – noch bevor einer von ihnen begann.“ (HFA)

Gott kennt jeden einzelnen Tag meines Lebens – schon seit vor meiner Geburt. Das muss bedeuten, dass er auch den Plan für mein Leben kennt. Aber: Ist der wirklich gut? Kann ich mich darauf verlassen? Und wie erkenne ich überhaupt, was dieser Plan ist?

Wenn Kinder beginnen, durch Erfahrungen, Geschichten und logisches Denken selbst Antworten zu finden, klingt die „Warum-Phase“ oft ab. Ich kann nicht in die Zukunft sehen, doch meine Vergangenheit hält viele Ereignisse, Erfahrungen und Wissen bereit, das ich im Blick auf Gegenwart und Zukunft nutzen kann. Dennoch verstehe ich in meinem Leben nicht immer, weshalb gewisse Dinge passieren – selbst dann oft nicht, wenn ich in den Rückspiegel schaue. Vielleicht kennst du das auch? Aber was, wenn Glaube eben nicht immer Sicherheit bedeutet, sondern Fragen, Spannungen, Ungewissheit?

Nach dem Abitur wollte ich Lehramt für Gymnasien mit Sport und Deutsch studieren. Wegen gesundheitlicher Probleme musste ich umplanen, ich besuchte eine Bibelschule und begann eine Ausbildung. Als es mir besser ging, nahm ich wie ursprünglich geplant das Studium auf, absolvierte es erfolgreich und schrieb meine Examensarbeit. Für den Abschluss fehlte mir nur noch eine sportpraktische Prüfungsleistung. Nach wochenlangem Training verhinderten erneut gesundheitliche Probleme meine Teilnahme. Das Examen verschob sich um ein Jahr. Während meine Kommilitoninnen und Kommilitonen es jetzt aktuell ablegen, hätte ich eigentlich auch so weit sein gewollt.

Hinter all dem steht für mich ein großes und an Gott gerichtetes: „Warum ich?“ Habe ich denn nicht immer wieder gebetet und Gott die Führung meines Lebens anvertraut? Verlangt er etwas anderes von mir? Meint Gott es überhaupt noch gut mit mir – oder hat er mich längst aufgegeben?

Mit diesen Fragen bin ich dann auf eine Predigt von Timothy Keller gestoßen, die mich genau in dieser Situation des Zweifelns traf. Sie handelt von Abraham und bezieht sich auf Hebräer 11:17-19:

„Abraham vertraute Gott, als Gott ihn auf die Probe stellte. Er war bereit, seinen einzigen Sohn Isaak als Opfer darzubringen, obwohl Gott ihm zugesagt hatte: »Nur die Nachkommen Isaaks sollen als deine Nachkommen gelten.« Abraham rechnete fest damit, dass Gott sogar Tote auferwecken kann. Und bildlich gesprochen bekam er Isaak tatsächlich vom Tod zurück.“ (HFA)

Drei Gedanken daraus möchte ich mit dir teilen:

1. Glaube ist kein blinder Sprung, sondern ein durchdachtes Vertrauen.

Glaube ist nicht irrational, sondern besteht aus einem Zusammenspiel von Herz und Verstand. Abraham glaubte nicht einfach „blind“, sondern er dachte nach und vertraute Gott. Glaube durchläuft ganz unweigerlich Phasen des Zweifelns und Nachdenkens – es ist eben kein leeres Gefühl, sondern ein Vertrauen, das immer wieder ringt und reift.

2. Gott stellt uns manchmal auf die Probe – nicht um uns zu zerstören, sondern um unseren Glauben zu vertiefen.

Der Höhepunkt der Bibelstelle ist Gottes Aufforderung an Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern. Das erschien Abraham sicherlich total widersprüchlich, denn Isaak war Teil der Verheißung Gottes gewesen. Das zeigt nur zu gut, wie paradox und schmerzhaft sich Glaubensproben anfühlen können. Doch sie führen dazu, dass wir nicht auf Gottes Gaben bauen, sondern auf Gott selbst.

3. Die Frage ist: Vertraue ich Gott um seiner selbst willen oder nur wegen seiner Gaben?

Keller stellt die Frage: „Liebst du Gott – oder liebst du nur, was er dir gibt?“ Abraham musste sich genau dieser Frage stellen. Würde er Gott und seiner Güte weiterhin vertrauen, auch wenn er das Kostbarste verlöre? Wie wäre meine Antwort?

Glaubensproben zeigen, worauf unser Glaube gegründet ist. Manchmal bedeutet das, eigene Vorstellungen, Sicherheiten oder Träume loszulassen – nicht, weil Gott grausam ist, sondern weil er tiefer gehen will.

Zweifel sind also nicht das Gegenteil von Glauben – sie sind der Ort, an dem echter Glaube wachsen kann. Abraham hat nicht aufgehört zu glauben, als er zweifelte. Gerade in der Unsicherheit hat er vertraut. Und vielleicht geht es in unseren „Warum ich?“-Momenten genau darum: Gott sucht nicht unseren perfekten Glauben, sondern unser vertrauendes Herz.