Psalm
Kapitel 28, Vers 1–9
Herr, schweige nicht!
1Von David. Zu dir, HERR, rufe ich in der Not, du bist der Fels, bei dem ich Zuflucht suche. Hülle dich nicht in Schweigen! Wenn du mir die Hilfe verweigerst, werde ich bald sterben und unter der Erde liegen. 2Höre, Herr! Ich flehe dich an, ich schreie zu dir und hebe betend meine Hände zu deiner heiligen Wohnung empor. 3Reiß mich nicht aus dem Leben wie die Gottlosen! Soll es mir etwa so gehen wie denen, die nur Böses im Schilde führen? Mit ihren Mitmenschen reden sie freundlich, aber im Herzen schmieden sie finstere Pläne. 4Zahle es ihnen heim; gib ihnen, was sie für ihre gemeinen Taten verdienen! Das Unheil, das sie angerichtet haben, soll sie selbst treffen. 5Sie missachten, was der HERR getan hat, und sein Handeln ist ihnen gleichgültig. Deshalb wird er sie vernichten, und niemand wird übrig bleiben. 6Gepriesen sei der HERR, denn er hat meinen Hilfeschrei gehört! 7Er hat mir neue Kraft geschenkt und mich beschützt. Ich habe ihm vertraut, und er hat mir geholfen. Jetzt kann ich wieder von Herzen jubeln! Mit meinem Lied will ich ihm danken. 8Der HERR macht sein Volk stark; wie eine sichere Burg beschützt er den König, den er auserwählt und eingesetzt hat. 9HERR, hilf deinem Volk! Segne uns, denn wir gehören doch dir. Führe uns wie ein Hirte und trage uns für immer in deinen Armen!
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Weitere Infos →Könnte es sein, dass die erste Fassung dieses Psalms nur bis Vers 5 ging? Das ist nur eine Theorie, aber schau mal genau hin. Es sieht fast so aus, als hätte David die ersten Zeilen geschrieben und dann das Papier erst mal beiseitegelegt. Bis dahin ein ziemlich trauriger Anblick:
"Wenn du mir die Hilfe verweigerst, werde ich bald sterben und unter der Erde liegen." [1]
Als dann der Herr eingriff, setzte David die Zeilen fort (so meine Vermutung). In Vers 6 kommt es zu einem regelrechten Umschwung. Plötzlich heißt es:
"Gepriesen sei der HERR, denn er hat meinen Hilfeschrei gehört!" [6]
Wie traurig wäre es gewesen, wenn David nicht weitergeschrieben hätte, oder? Doch ist es nicht manchmal genau so? Wir klagen Gott unser Leid. Wenn es uns schlecht ergeht, beten wir von ganzem Herzen, und wenn Gott dann eingreift, vergessen wir, Gott für das zu loben, was er getan hat.
Zumindest geht es mir manchmal so. Dieser Psalm kann eine Ermutigung sein, einen Zweiteiler zu schreiben. Vielleicht bist du gerade in einer Situation, die du nicht verstehst. Du wartest auf Gottes Eingreifen.
Wenn das deine Situation ist, dann trau dich, Gott dein Leid zu klagen. Schreibe es auf, lege den Zettel beiseite, hole ihn später (vielleicht in einem Jahr) wieder hervor und schreibe weiter. Vielleicht geht es auch mit Lobpreis weiter. Gott ist für dich.