Blogpost
Ansprechbar: "Bestimmt Gott im Voraus, wer in den Himmel kommt?"
Wie kann ich einen Menschen für Jesus gewinnen?
Diese Frage beschäftigt die Christenheit schon seit Jahrhunderten. Verständlich! Denn es ist der Hauptauftrag an uns Christinnen und Christen weltweit.
In der Bibel finden wir einen klaren Befehl zur Mission. Jesus selbst sprach ihn zum Beispiel in Matthäus 28:18-20 aus. Wir sollen Menschen das Evangelium verkündigen. Ja, Gott möchte die ganze Menschheit mit der Frohen Botschaft erreichen. Denn: Nur wer an Jesus Christus glaubt, ist auf ewig errettet. Jesus starb für unsere Schuld am Kreuz. Wer dieses Angebot Gottes annimmt, wird die Ewigkeit bei Gott verbringen (vgl. Johannes 3:16).
Die Frage, um die es heute gehen wird, beschäftigt sich genau damit! Mit diesem wichtigsten Auftrag an uns Christinnen und Christen, mit dem Auftrag zur Mission.
„Bestimmt Gott im Voraus, wer in den Himmel kommt und wer nicht?“
Ich bete zum Beispiel für einen bestimmten geliebten Menschen, dass er zum Glauben an Jesus Christus findet und deshalb auf ewig in den Himmel kommen wird. Was aber, wenn Gott schon im Vorhinein also auch bestimmt haben könnte, dass dieser Mensch nicht in den Himmel kommt? Wozu bete ich dann überhaupt für seine Erlösung?!
Ich weiß, ein Wirrwarr an Gedanken. Und doch gehe ich schwer davon aus, dass auch dir diese Fragen und Gedanken auf der Seele brennen könnten ...
Gleich zu Beginn des Blogbeitrages möchte ich eines klarstellen: Ich bin nicht Gott. Niemand ist Gott! Und nicht umsonst streiten sich Theologinnen und Theologen seit vielen, vielen Jahren genau über diese Frage: Gibt es die Vorherbestimmung Gottes, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt? Der Fachbegriff für die Lehre der Vorherbestimmung ist das Wort „Prädestination“. Dieser Blogbeitrag kann auch nicht die ultimative Antwort geben, denn wir bewegen uns hier in Gebieten, die am Ende nur Gott selbst allumfänglich kennen kann. Wir Menschen werden Gott niemals komplett verstehen! Er lässt uns nur insoweit in seine Karten schauen, wie er es uns durch die Bibel ermöglicht. Mehr aber auch nicht!
Biblische Argumente FÜR die Prädestination:
Unmissverständlich erkennen Anhänger der Prädestinationslehre in Epheser 1:5 ein Pro-Argument für ihre Theologie: „Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus“. Und nur ein paar Verse später wird dies wie folgt unterstrichen:
„… in ihm [Christus], in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens, …“
Ähnliche Aussagen kannst du in Römer 9, Johannes 6 und Johannes 17 (Jesu eigene Worte) nachlesen. Und auch Apostelgeschichte 13:48 formuliert deutliche Worte:
„Und alle, die zum ewigen Leben bestimmt waren, begannen zu glauben.“
Biblische Argumente GEGEN die Prädestination:
Daneben stehen folgende Verse, die wir ebenso in der Bibel finden und die deutlich zeigen, dass Gottes Wille und seine Entscheidung auch ganz anders aussehen könnten. Nämlich wie folgt:
„Der Herr […] will nicht, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren.“ (2. Petrus 3:9).
Oder auch hier:
„… Gott […] will, dass alle Menschen gerettet werden …“ (1. Timotheus 2:4),
sowie hier:
„Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten; …“ (Titus 2:11).
Jesus sagte: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern …“ (Matthäus 28:19)
Warum also sollte Gott so maßgeblich entgegen seinem Willen handeln und Menschen im Voraus für die Hölle bestimmen? Schließlich ist Jesus Christus ergänzend dazu auch für die Schuld der ganzen Welt (also grundsätzlich erst mal für alle Menschen) am Kreuz gestorben! Nicht nur für wenige Menschen, die von Gott vorher auserwählt wurden (vgl. Johannes 3:16).
Vielleicht müsste es also einen anderen Hintergrund dafür geben, dass in der Bibel steht, jemand wäre von Gott für das ewige Leben bestimmt worden. Wer den Glauben an Jesus Christus für sein Leben angenommen hat, dessen Sünden sind unmittelbar vergeben, er bekommt den Heiligen Geist wie ein Siegel aufgedrückt und ist fortan zu einem ewigen Leben bestimmt (vgl. Epheser 4:30; Römer 8). Für eine solche Formulierung „zum ewigen Leben bestimmt“ braucht es nicht zwangsläufig eine wirkliche Vorherbestimmung, denn alle Kinder Gottes (das sind alle, die den Heiligen Geist haben) sind schon seit ewigen Zeiten für das ewige Leben bestimmt. So hat Gott es festgelegt: Wer sich zu ihm bekehrt, soll ins ewige Leben kommen. Diese Person ist für die Ewigkeit bestimmt. Auch wenn sich jetzt erst jemand, z. B. am heutigen Tag, für Jesus Christus entscheidet, gehört er von da an zu den Kindern Gottes und hat damit auch alle Privilegien, die mit einer Kindschaft Gottes einhergehen, unter anderem eben jene Bestimmung zum ewigen Leben. Gott hat diese Bestimmung zum ewigen Leben bereits vor unendlichen Zeiten für jede Person festgelegt, die sich für ihn als Herrn und Retter entscheiden würde.
Und noch ein ergänzender Gedanke: Ja, Gott weiß alles. Er weiß ganz genau, wer sich für ihn entscheiden wird. Denn er ist nun einmal allwissend. Aber nur, weil Gott weiß, wie die Dinge zu Ende gehen, heißt das nicht, dass er diesen Ausgang auch tatsächlich vorherbestimmt hat! „Wissen“ und „bestimmen“ sind zwei verschiedene Dinge.
Fazit:
Es ist einfach so. Wir haben hier ein „Fass ohne Boden“ vor uns. Es gibt Bibelverse, die für eine Prädestination sprechen. Und es gibt Bibelverse, die dagegensprechen. Es besteht also einfach eine Spannung, die nur schwer aufzulösen ist. Eventuell sogar unmöglich.
Die Frage ist doch, was sich tatsächlich an meinem praktischen Glaubensleben ändert, wenn ich an eine Vorherbestimmung durch Gott glaube oder eben nicht. Richtig, nichts! Denn: Der Missionsbefehl bleibt bestehen! Am Ende könnte ich doch auch gar nicht wissen, wer nun vorherbestimmt wäre oder nicht!
Deshalb sollte ich trotzdem mutig von Jesus Christus erzählen und für Menschen beten, dass sie zum Glauben an Jesus Christus finden. Also bleibt die Frage nach der Prädestination eher ein theologisches Gedankenspiel, mit dem man sich beschäftigen kann, aber vielleicht nicht unbedingt muss. Eventuell könnte es ja auch ein guter Weg sein, einfach die Größe Gottes anzuerkennen und nicht immer alles bis ins letzte Detail über ihn zu hinterfragen und erforschen zu müssen ... Aber wie gesagt, das ist „Typsache“ :-)
Jeden Mittwoch beantworten wir auf unserer Instagram-Seite @stayonfire.official im Format „Ansprechbar“ eure Fragen. Nicht jede Frage lässt sich im Rahmen einer kurzen Insta-Story beantworten. Daher gehen wir auf einige komplexere Fragen nun sonntags als Blogbeitrag in unserer App ein.
Du hast auch eine Frage zum Leben und zum Glauben? Dann stell sie uns gern mittwochs bei Ansprechbar auf Instagram.