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Ansprechbar: "Was ist das biblische Reden in Zungen?"
„Reden in Zungen.“ Was ist denn bitte damit gemeint? Stammt eine solche Formulierung wirklich aus der Bibel oder eher aus einem Esoterikbuch?
Die Antwort lautet: Ja, aus der Bibel. Tatsächlich gibt es in der Bibel Menschen, die das „Reden in Zungen“ persönlich praktiziert haben.
Das „Reden in Zungen“ meint im biblischen Kontext einfach das Reden in einer fremden bzw. auch für viele Leute unverständlichen Sprache. Vielleicht hast du ja auch schon mal bemerkt, wie jemand im Gottesdienst neben dir anfing, leise in einer sich eher ausgedacht anhörenden Sprache zu beten? Und zugegeben, das kann einen im ersten Moment definitiv verwirren.
Wenn man sich ein bisschen länger in christlichen Kreisen bewegt, dann merkt man, wie gespalten die Meinungen zum Thema „Reden in Zungen“ sind. Die einen sehen hierin etwas Beängstigendes, andere wollen gefühlt am liebsten selbst den ganzen Tag nur noch in Zungen reden ...
Hier nun ein paar Impulse, die dir deutlicher machen sollen, was mit dieser Formulierung „Reden in Zungen“ gemeint ist, und die dir hoffentlich dabei helfen, dir selbst ein biblisch fundiertes Bild von dem „Reden in Zungen“ zu machen:
1. „Reden in Zungen“ – immer eine Gabe des Heiligen Geistes!
Tatsächlich ist Gott selbst ein Fan des „Redens in Zungen“! Wer wirklich in Zungen reden möchte, der kann eben nicht einfach anfangen, in einer Fantasiesprache zu reden oder zu beten! Vielmehr wird eine solche Zungenrede immer von Gott selbst eingegeben. Sie ist eine der vielen Gaben des Heiligen Geistes, die ein/e Christ/in von Gott erhalten kann (vgl. Apostelgeschichte 2:3-4, 10:44-46, 19:6; 1. Korinther 14:1-19).
Wie bei allen Gaben des Heiligen Geistes gilt, dass sie zur Ehre des dreieinigen Gottes und zum Aufbau sowie Erhalt seiner Gemeinde dienen sollen. Einzig und allein in diesem festgelegten Rahmen kann sich ein biblisches „Reden in Zungen“ ereignen!
Bereits hier wird deutlich, woher die stark gespaltenen christlichen Meinungen zum „Reden in Zungen“ stammen. Denn wer nicht daran glaubt, dass die Geistesgaben auch heute noch aktuell sind und nicht nur von den damaligen Aposteln praktiziert wurden, der wird auch in einer heutigen Ausübung der Zungenrede immer etwas Falsches und Verbotenes sehen. Je nachdem, welche Theologie deine Gemeinderichtung, die dich maßgeblich geprägt hat, zu diesem noch mal ganz anderen Thema der Aktualität der Geistesgaben vertritt, wird auch deine Meinung zur Zungenrede vorgeprägt sein.
2. „Reden in Zungen“ ist nicht gleich „Reden in Zungen“
Innerhalb der Bibel kristallisieren sich zwei grundsätzlich verschiedene Arten der Zungenrede heraus.
Da gibt es einerseits die Art der Zungenrede, die tatsächlich in einer auf dieser Erde existierenden Sprache geschieht.
Das bekannteste Beispiel dazu finden wir beim Pfingsterlebnis:
„Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf jedem Einzelnen von ihnen niederließ. So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in fremden Sprachen zu reden, jeder so, wie der Geist es ihm eingab. In Jerusalem hatten sich viele fromme Juden aus aller Welt niedergelassen. Als sie das Brausen hörten, liefen sie von allen Seiten herbei. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden.“ (Apostelgeschichte 2:3-6)
Deutlich wird, dass eine solche Begabung der Zungenrede wohl eher der Evangelisation dient. Auf einmal kann ich, die eigentlich kein Russisch spricht, einem Russisch sprechenden Menschen in seiner Sprache von Jesus erzählen. Ein Wunder zur Ehre Gottes und zum Bau seiner Gemeinde.
Und dann gibt es die Art der Zungenrede, bei der in einer unverständlichen, d. h. nicht auf dieser Welt existierenden Sprache, gesprochen bzw. gebetet wird. Bekannt ist diese Art der unverständlichen Zungenrede auch als sogenanntes „Sprachengebet“.
Paulus berichtet davon in 1. Korinther 14:1-19. Er schätzt eine solche Verbindung des jeweiligen Menschen mit Gottes Geist wert, sieht aber eine Gefahr darin, dass dies für die anderen Menschen in der Gemeinde wenig Frucht bringe. Immerhin verstünden diese ja kein einziges Wort! Daher macht Paulus deutlich, wie wichtig es ist, ebenso dafür zu beten, dass man das in der Sprache des Heiligen Geistes Eingegebene dann auch in die Sprache der umgebenden Zuhörer/innen übersetzen könne. So würde auch diese Art der Zungenrede dem Bau der Gemeinde dienen.
Im privaten Raum, also im persönlichen Gebet mit Gott allein, dient ein solch unverständliches „Reden in Zungen“ ohne Auslegung der eigenen Erbauung, wie Paulus an anderer Stelle formuliert (vgl. Römer 8:26-27).
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