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Ansprechbar: "Was ist mit dem sogenannten Zehnten gemeint?"
Es findet der Spendenaufruf in deiner christlichen Gemeinde statt. In dir taucht der Gedanke auf: „Stimmt! Ist es nicht so, dass ich 10 % meines Einkommens an die Gemeinde geben sollte … oder wie steht das noch mal in der Bibel?“
Der berühmte „Zehnte“ ist ein Begriff, der immer wieder unter Christen auftaucht und schon zur Verwirrung führen kann. Oder auch dazu, dass Gemeindemitglieder sich dazu gezwungen fühlen, tatsächlich genau dieses Zehntel ihres Einkommens an ihre Kirche abzugeben. Komme, was wolle.
Doch was steht in der Bibel eigentlich zum „Zehnten“? Was ist das überhaupt und wie viel sollte ein Christ laut der Bibel tatsächlich an (s)eine Gemeinde spenden? Denn klar ist, Gemeinden sind bis heute auf die Großzügigkeit von Spenden angewiesen. Und etwas zu geben, dagegen spricht gar nichts. :-)
Also lasst uns mit eventuellen Missverständnissen aufräumen und anschauen, was die Bibel eigentlich zum „Zehnten“ zu sagen hat:
1. Der Zehnte im Alten Testament
Die Formulierung des „Zehnten“ stammt aus der Zeit des Alten Testaments. Das dortige von Gott gegebene Gesetz erwartete von den Israeliten, dass sie zehn Prozent all ihrer Einkünfte an den Tempel bzw. die Stiftshütte abgaben, also an die Orte, an denen damals Gott quasi mitten unter den Menschen wohnte, wo er angebetet wurde und wo Leute bewusst im Dienst Gottes standen (vgl. dazu z. B. 3. Mose 27:30; 2. Chronik 31:5).
Dieser Zehnte wurde unter anderem dafür verwendet, die Lebenshaltungskosten der im Tempel angestellten Leviten und Gesetzeslehrer bezahlen zu können.
2. Der Zehnte im Neuen Testament
Auch Jesus Christus sprach in seinen Lehren und zu seiner Wirkzeit hier auf dieser Erde sehr viel über das Thema Geld und den richtigen Umgang mit Finanzen. Dennoch forderte er an keiner Stelle im Neuen Testament seine Jünger dazu auf, auf jeden Fall den Zehnten zu zahlen. Die Opferrituale des Tempels oder der Stiftshütte existieren nicht mehr im christlichen Glauben. Das einmalige Opfer Jesu am Kreuz und das Kommen des Heiligen Geistes auf jeden Gläubigen haben ihre Aufgabe abgelöst. Nun lebt Gott selbst in seinen Kindern und die Erhaltung eines Ortes wie die Stiftshütte ist nicht mehr notwendig.
Dennoch ist es Gott ein Anliegen, dass auch seine heutige christliche Gemeinde gut existieren und sich daher auch gut finanzieren kann. Fakt ist: Sowohl die damaligen Gemeinden zur Zeit der Apostel als auch die meisten heutigen Kirchen können sich nur aufgrund von Spenden finanzieren und auch nur so bspw. die Gehälter ihrer angestellten Pastoren zahlen. Der Apostel Paulus schreibt in der Bibel daher:
„Zum Schluss will ich noch etwas zur Geldsammlung für die Christen in Jerusalem sagen. Führt sie so durch, wie ich es auch für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe. An jedem Sonntag soll jeder von euch dafür so viel Geld zurücklegen, wie es ihm möglich ist.“ (1. Korinther 16:1+2)
In den neutestamentlichen Briefen des Apostels Paulus erkennen wir keine genaue prozentuale Festlegung, wie viel Anteil ein Christ von seinem Gehalt an seine Gemeinde geben sollte. Vielmehr wird hier die Freiwilligkeit des Gebers über die Summe betont. Jeder soll das geben, was er für richtig empfindet, und ebenso, was er sich leisten kann. Eine christliche Gemeinde soll seine Mitglieder nicht in die finanzielle Not bringen! Unterstützend dazu noch ein weiterer Vers:
„So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.“ (2. Korinther 9:7)
Das Herz eines Christen sollte grundsätzlich für das Wachstum der christlichen Gemeinde auf dieser Welt schlagen und das Ziel sollte sein, ein großzügiges Herz für das Geben zu bekommen. Das wird in den im Neuen Testament genannten Stellen deutlich. Grundsätzlich sollte das Herz eines Christen eben nicht an seinem eigenen Reichtum hängen, sondern Gott sollte auch Herr über die eigenen Finanzen sein dürfen. Dies sagte Jesus Christus auch klar in seiner berühmten Bergpredigt, nachlesen kannst du das in Matthäus 6:24. Helfen tut dabei der Heilige Geist, der in uns Christen lebt und die guten Früchte des Heiligen Geistes hervorbringt (vgl. Galater 5). Übrigens: Mehr zum Thema dieses Prozesses, als Christ Jesus immer ähnlicher zu werden, findest du in unserem Ansprechbar-Beitrag in der Mediathek unserer App unter dem Titel: „Ansprechbar: Was meint die Bibel mit dem Begriff Heiligung?“
Fazit:
In vielen christlichen Gemeinden gilt bis heute eine Art Prämisse, dass 10 % des Einkommens, angelehnt an den berühmten „Zehnten“, an die Gemeindekasse gegeben werden sollte. Hieran ist auch grundsätzlich nichts einzuwenden, denn ja, es handelt sich hierbei um ein biblisches Prinzip, auch wenn es noch dem Alten Testament entstammt.
Problematisch wird es dann, wenn ein Zwang daraus entsteht oder gemacht wird. Das Neue Testament würde dem klar widersprechen! Die Zeiten der Verpflichtung, den Zehnten zu geben, sind vorbei. Erst recht, da das Evangelium von Jesus Christus immer wieder betont, dass der Glaube und nicht Taten erretten (vgl. Johannes 3:16). Gott liebt oder erlöst einen Menschen nicht, weil er etwa viel an die Gemeinde spendet, sondern einzig und allein, weil dieser an Jesus Christus glaubt und daher sein geliebtes Kind geworden ist (vgl. Römer 8).
Jeden Mittwoch beantworten wir auf unserer Instagram-Seite @stayonfire.official im Format „Ansprechbar“ eure Fragen. Nicht jede Frage lässt sich im Rahmen einer kurzen Insta-Story beantworten. Daher gehen wir auf einige komplexere Fragen sonntags als Blogbeitrag in unserer App ein. Du hast auch eine Frage zum Leben und zum Glauben? Dann stell sie uns gern mittwochs bei Ansprechbar auf Instagram.