Blogpost
Bindungsangst: Wieso wir Nähe wollen und dennoch davor weglaufen
Einige Jahre war ich selbst single und auch (mehr oder weniger aktiv) auf Partnersuche. In meinem engsten Umfeld kenne ich aktuell drei Personen, die nach einem passenden Partner oder einer passenden Partnerin fürs Leben mithilfe von Dating-Apps suchen.
Mit großer Wahrscheinlichkeit hast auch du bereits deine eigenen Erfahrungen im Dating-Leben gemacht, vielleicht ebenfalls mit Dating-Apps. Auch für Christen gibt es mittlerweile extra Dating-Apps, die die „christliche Partnersuche“ erleichtern sollen.
Das, was ich heute schreibe, gilt nicht für jede Person. Es sind aber Entwicklungen, die sich in unserer Gesellschaft zunehmend zeigen. Und es sind persönliche Erfahrungen aus meiner Single-Zeit sowie aus den Erlebnissen meiner Freunde und Bekannten, die selbst auf Partnersuche sind oder waren.
Ich möchte diesen Blogbeitrag gern als Impuls nutzen, dich in unserer heutigen Dating-Kultur zu ermutigen und zu inspirieren.
Was erleben Singles in ihrem Dating-Leben leider immer wieder?
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„Ghosting“ anstatt ehrlicher Gespräche: Du schreibst seit Wochen mit jemandem. Es fühlt sich gut an, ihr sprecht über tiefe Themen. Ihr lacht über dieselben Sachen, teilt persönliche Dinge. Und dann: Funkstille. Keine Erklärung. Kein Streit. Einfach nichts mehr.
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„Situationships“ anstatt klarer Beziehungen: Man ist sich über einige Zeit nahe, baut eine Tiefe auf, jedoch wird nie geklärt, woran man eigentlich bei der anderen Person ist: Will die Person überhaupt eine Beziehung eingehen?
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Unverbindlichkeit anstatt Verlässlichkeit: Treffen werden spontan abgesagt, ohne Erklärung. Jemand schreibt tagelang einfach nicht zurück, obwohl die Person eigentlich Zeit dafür hätte.
Wir tragen in uns diesen großen Wunsch nach echter Nähe, doch wir erleben immer wieder, dass das Gegenüber Angst hat, sich festzulegen. Oder aber wir spüren, dass wir selbst Angst davor haben, in eine echte Verbindlichkeit mit der anderen Person hineinzukommen.
Der Wunsch nach Nähe und die Realität der eigenen Angst, Freiheit aufzugeben, stehen sich gegenüber.
Was, wenn jemand Besseres kommt?
Was, wenn ich mich festlege und es dann bereue?
Was, wenn ich verletzt werde?
Die Auswahl an potenziellen Partnern oder Partnerinnen ist in Dating-Apps (oder auch generell bei Social Media) nahezu endlos. Das führt zu Überforderung und dem Gefühl, noch nicht die beste Möglichkeit gesehen zu haben. Manche haben in vorherigen Beziehungen Verletzungen erlebt. Andere mussten als Kind miterleben, wie sich die eigenen Eltern scheiden ließen. Social Media macht uns vor, dass eine Liebesbeziehung jeden Tag, 24 Stunden lang, absolut harmonisch und ohne Streit verlaufen sollte. Diese angebliche „Perfektion“ ist ein (unrealistischer) Standard, der uns unterbewusst geprägt hat, Angst macht und uns eine falsche Realität vorgaukelt, nach dem Motto: „Wenn ich nur einen Fehler bei der anderen Person entdecke, dann kann nichts aus uns werden.“
Weshalb Verbindlichkeit kein Käfig ist
Der christliche Glaube sieht Liebe allerdings nicht als ein Gefühl an, sondern als eine Entscheidung und als Treue.
Gott liebt uns Menschen, bindet sich in seiner Liebe an uns, obwohl er besser als jeder andere um unsere Fehler weiß. Liebe wird in der Bibel nicht als ein Konsum, sondern als eine echte Hingabe verstanden. Echte Freiheit liegt im biblischen Sinne nicht darin, sich eine riesige Menge an Optionen offenzuhalten, sondern eine Entscheidung zu treffen und von hier aus weiterzugehen.
Grundsätzlich ist es so: Tiefe und echte Nähe entstehen nicht durch viele Möglichkeiten, sondern durch eine Entscheidung.
Bindung ist somit nicht der Verlust von Freiheit, sondern die Entscheidung, die eigene, freie Wahl für jemanden einzusetzen.
Freiheit richtig einsetzen
Es ist gut und absolut notwendig, gewisse Standards für eine Partnerschaft klar vor Augen zu haben. Die Bibel selbst nennt einige von ihnen. Relevant sind vor allem diejenigen des Charakters und die Frage, ob man sich als Team bewährt, das gemeinsam vorangeht, gemeinsam an Dingen arbeiten möchte, die vielleicht noch verbesserungswürdig sind.
Wir haben bereits einen umfassenden Blogbeitrag zu der Frage geschrieben, wie ich herausfinden kann, ob jemand der oder die Richtige sein könnte. Du findest ihn unter diesem Titel in unserer App: „Wie weiß ich, dass er oder sie der oder die Richtige ist?“
Natürlich garantiert die Entscheidung, sich an jemanden zu binden, keine perfekte Beziehung. Und kein Standard verspricht dir die perfekte Partnerschaft. Es wird dennoch Missverständnisse und Konflikte geben.
Echte Liebe wächst jedoch nicht dort, wo alles leicht ist. Sie wächst am stärksten dann, wenn zwei Menschen sich entscheiden, dranzubleiben.
Wer eine solche Tiefe mit einer anderen Person durch die Krisen hindurch aufgebaut hat, wird die gemeinsamen Erfolge noch ehrlicher feiern können.