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Frieden mitten im Chaos

Fiona Pfeifervon Fiona Pfeifer
Hoffnung
Frieden mitten im Chaos

Wenn ich an Frieden denke, habe ich damit lange Zeit etwas verbunden, das außerhalb meiner selbst stattfindet. Situationen ohne Streit, ohne Konflikt, ohne Unsicherheit. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto eher merke ich: Frieden ist mehr als das. Denn selbst dann, wenn um mich herum alles ruhig ist, heißt das noch lang nicht, dass es auch in mir ruhig ist. Doch was ist Frieden eigentlich? Ist es die reine Abwesenheit von Krieg und Konflikt? Oder ist es mehr als das? Und wie fühlt sich Frieden eigentlich an? Kann ich ihn überhaupt spüren?

Ich glaube: Ja. Ich habe es selbst erlebt.

Doch noch einmal zurück zur ersten Frage: Was ist Frieden eigentlich?

Frieden, wie ihn die Bibel beschreibt, ist mehr als das Ausbleiben von Konflikt oder Krieg. Er gründet sich auf das hebräische Wort „Shalom“. Dieses Wort umfasst verschiedene Dimensionen: Ganzheit und Unversehrtheit, Heil und Rettung, Wohlergehen sowie versöhnte Beziehungen – zu Gott, zu anderen Menschen und zur Schöpfung. Dieser Frieden ist also vielschichtig und reicht tief. Und er ist persönlich.

Wenn ich an die Geburt unserer Tochter zurückdenke, kann ich bis heute kaum glauben, welch tiefe innere Ruhe ich in den Stunden voller Schmerz gespürt habe. Vor allem in der Schwangerschaft habe ich mir viele Gedanken über den Verlauf der Geburt gemacht – über die Dauer, die Schmerzen und ganz besonders über die Frage: „Wird am Ende wirklich alles gut sein?“

Mit Einsetzen der Wehen wurde ich dann von einem Gefühl der inneren Ruhe und Gelassenheit überrascht. Ich spürte, wie mein Vertrauen zu Gott plötzlich unerschütterlich erschien. Ich fühlte mich den gesamten Prozess der Geburt hindurch förmlich getragen.

Und selbst in dem Moment, als unsere Tochter kurz nach der Geburt auf die Intensivstation verlegt werden musste, war meine vorherige Angst und Sorge nicht da.

Rückblickend würde ich sagen: Das war Frieden in mir.

Und nicht nur ich kenne dieses Gefühl. Freunde von uns haben ein Kind mit einem Gendefekt bekommen – eine Situation, die von außen betrachtet alles andere als leicht ist. Und dennoch sagen sie voller Überzeugung: „Wir haben von Gott einen inneren Frieden darüber bekommen.“

Das hat mich sehr beeindruckt und beschäftigt. Denn scheinbar ist dieser Frieden genau dort zu finden, wo eben nicht alles einfach „gut“ ist, sondern auch dort, wo Schmerz, Trauer und Unverständnis Raum haben.

Bei Begegnungen stellen wir oft als Erstes die Frage: „Wie geht es dir?“ Und meistens geben wir darauf eine schnelle, eher oberflächliche Antwort: „Alles gut.“

Aber was wäre, wenn wir eigentlich etwas anderes fragen würden? Wie steht es um deinen Frieden? Oder noch tiefer: Wie steht es um deinen Shalom? Vielleicht geht es bei Frieden gar nicht zuerst um das, was um uns herum geschieht, sondern um das, was in uns zur Ruhe kommt. Um einen Frieden, der tiefer geht als das, was wir oft mit „es geht mir gut“ meinen. Ein Frieden, der auch etwas mit Zufriedenheit zu tun hat. Nicht im Sinne von „alles ist perfekt“, sondern im Sinne von: Ich muss nicht gegen alles ankämpfen, was gerade da ist. Ich darf annehmen, was ich nicht ändern kann, und darauf vertrauen, dass Gott da ist und es trotz der Umstände gut mit mir meint. Ich persönlich merke, wie schwer mir genau das fällt. Zufrieden zu sein – insbesondere dann, wenn meine Vorstellung der Dinge anders als die Realität aussieht. Doch genau in solchen Momenten brauche ich Gottes Wirken – Seinen Frieden. In Jesus finden wir den wahren Friedefürsten (vgl. Jesaja 9:5), denn er bringt Frieden mit Gott, Frieden unter den Menschen und Frieden in den Herzen. So wird deutlich, dass wir Frieden nicht aus uns heraus herstellen können.

Und vielleicht beginnt echter Frieden genau dort, wo wir anerkennen, dass wir nicht alles in der Hand haben. Dort, wo wir aufhören, gegen alles anzukämpfen, was anders läuft als gedacht – und dort, wo wir anfangen, Gott zu vertrauen, dass er da ist, dass er trägt und dass er es gut meint, auch wenn ich es gerade nicht sehe.

Frieden bedeutet dann nicht, dass alles leicht ist, sondern es bedeutet, dass ich mich gehalten wissen darf – mitten im Chaos. Vielleicht ist genau das dieser „Shalom“: Ein Frieden, der nicht davon abhängt, dass alles gut ist, sondern davon, dass Gott da ist – auch dann, wenn ich es nicht immer spüre.