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Festhalten ist keine Stärke (Ein Impuls)

Annemieke Binggelivon Annemieke Binggeli
Glaubensleben
Festhalten ist keine Stärke (Ein Impuls)

Manchmal merke ich erst, wie fest ich etwas halte, wenn mir die Hände davon wehtun. Konzentriert schreibe ich an meiner To-do-Liste und ich drücke dabei, ohne es zu merken, den Kugelschreiber etwas zu fest in der Hand hin und her.

Ja, die To-do-Liste, da wären wir schon beim Thema.

Gedanken. Entscheidungen. Zukunftspläne. Menschen.

Ich trage sie mit mir herum, drehe sie hin und her, bete über sie, überlege – und halte trotz aller Gedankenkreise an ihnen fest. Nicht, weil ich Gott nicht vertraue, sondern weil Loslassen sich nach Kontrollverlust anfühlt. Und wer verliert schon gern die Kontrolle?

„Leg alles in Gottes Hände“, klingt schön und fromm. Ja, es hat etwas Beruhigendes. Doch wenn ich ehrlich bin, fühlt sich dieser Satz oft ganz anders an: Eher wie Unsicherheit, wie ein Schritt ins Ungewisse. Da kommt in mir diese Frage hoch: „Was, wenn Gott anders entscheidet, als ich es mir wünsche?“

Und ja, vielleicht ist genau das der Punkt.

Denn alles in Gottes Hände zu legen, heißt nicht, dass plötzlich alles Sinn ergibt. Es heißt auch nicht, dass Sorgen verschwinden oder Wege klar vor einem liegen. Es heißt aber, dass ich anerkenne: Ich bin nicht Gott. Und das muss ich auch nicht sein!

Ich merke, wie sehr ich versuche, an Dingen festzuhalten. Dinge zusammenzuhalten. Lösungen zu finden. Antworten fast zu erzwingen. Als würde alles an mir hängen. Als wäre mein Festhalten der Grund dafür, dass nicht gleich alles auseinanderfällt.

Dabei steht Gott nicht einfach passiv daneben und wartet darauf, dass ich endlich loslasse. Er ist längst da, mit offenen Händen.

Loslassen ist kein einmaliger Moment. Es ist kein einmaliges, großes, emotionales Übergabegebet, nach dem sich alles sofort regelt. Loslassen ist leise, wiederholend, manchmal mühsam und oft ganz unspektakulär.

Es passiert, wenn ich meine Gedanken Gott hinhalte, obwohl ich sie zuvor nicht sortiert habe. Wenn ich eine Entscheidung abgebe, ohne zu wissen, wie die Begebenheit ausgehen wird. Wenn ich aufhöre, mir selbst Verantwortung für Dinge aufzuerlegen, die ich gar nicht tragen kann.

Jesus lädt uns nicht dazu ein, alle Dinge unseres Lebens perfekt zu erledigen. Er lädt uns vielmehr dazu ein, unsere Last an ihn abzugeben.

Alles in Gottes Hände zu geben, bedeutet nicht, passiv zu sein. Es bedeutet, aktiv zu vertrauen. Ja, weiterzugehen, ohne dabei alles zu kontrollieren. Zu glauben, dass Gott auch dann wirkt, wenn ich es gerade nicht spüre. Dass er alles zusammenhält, wenn ich loslasse.

Vielleicht sieht Hingabe im Alltag viel unspektakulärer aus, als wir denken. Weniger wie große Worte, sondern mehr wie ehrliche Gebete:

„Gott, ich habe Angst.“

„Ich weiß nicht mehr, wie es weitergeht.“

„Ich lasse das jetzt bei dir.“

Und manchmal (oder sogar oft) kommt kein sofortiger Friede. Es kommt nicht unmittelbar die klare Antwort. Doch diese leise Gewissheit gewinnt in deinem Herzen an Raum: „Gott ist bei mir. Ich bin nicht allein.“

Ich wünsche mir einen Glauben, der nicht daran hängt, wie sicher sich alles anfühlt, sondern stattdessen daran, wem ich die unsicheren Situationen anvertraue! Einen Glauben, der loslässt. Nicht, weil bereits alles gut ist, sondern weil Gott gut ist.

Vielleicht ist „Alles in Gottes Hände legen“ kein Zustand, den man erreicht, sondern eine Haltung, zu der man immer wieder zurückkehren kann.

Mit offenen Händen und einem offenen Herzen.

Zum Schluss: Hör doch mal in das Lied „Out of my hands“ von Jeremy Camp bei Spotify oder YouTube hinein. Für mich immer wieder eine poetische Einladung und Hilfe, Gott im Gebet Lasten abzugeben, sie in Gottes offene Hände zu legen. Und ein Lied, das mich in den letzten Jahren immer wieder begleitet hat.