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Blogpost

Wie ein gestilltes Kind

Fiona Pfeifervon Fiona Pfeifer
Glaubensleben
Wie ein gestilltes Kind

Seit September bin ich Mama einer Tochter, und mit dem Tag ihrer Geburt hat sich so einiges in meinem Leben verändert: Windeln wechseln, Kind bespaßen, in den Schlaf wiegen und vor allem das Stillen sind neue Bestandteile meines Alltags geworden. Insbesondere beim Stillen ist mir etwas aufgefallen und bewusst geworden, was ich in diesem Blogbeitrag gern mit dir teilen möchte.

Am Anfang einer Stillmahlzeit sind die Hände meiner Tochter fast immer zu kleinen Fäusten geformt. Ganz fest geschlossen, fast verkrampft, presst sie ihre Finger zusammen. So manches Mal ist diese angespannte Haltung sogar mit Weinen verbunden und erweckt den Anschein, sie kämpfe mit oder gegen etwas, das sie nicht allein bewältigen kann. Im Laufe des Trinkens verändert sich dann etwas: Mit der Zeit löst sich die Spannung ihres Körpers und die ihrer Hände. Erst öffnet sich ein Finger, dann der nächste. Am Ende liegt ihre Hand ganz offen da – entspannt und empfangend. Dieses Bild hat mich beeindruckt, nicht losgelassen und dann an einen Bibelvers erinnert:

HERR, mein Herz ist nicht erfüllt von Stolz, auch schaue ich nicht überheblich auf andere herab. Ich erstrebe nicht hohe Ziele, die zu vermessen für mich wären. Vielmehr habe ich meine Seele besänftigt und beruhigt. Wie ein gestilltes Kind an der Brust seiner Mutter, so zufrieden ist meine Seele. Israel, hoffe auf den HERRN jetzt und für alle Zeit! (Psalm 131)

David, der Autor dieses Psalms, beschreibt auch eine Situation, in der aus Unruhe Ruhe wird. Ihn plagten Stolz, Neid, Vergleich und Ehrgeiz. Als Lösungsansatz versucht er nicht, aus sich selbst heraus um Seelenfrieden zu kämpfen. Ihm wird vielmehr bewusst, dass er innerlich einen Schritt zurücktreten darf und es befreiend sein kann, sich allein auf Gott zu verlassen. Dabei geht es eben nicht darum, alle Umstände vollends zu verstehen oder alles selbst im Griff zu haben. In Vers 2 folgt dann das Bild vom gestillten Kind: Kein Schreien mehr, kein Krampfen, kein Festhalten. Nur Nähe, Wärme – Sein. So lädt Gott uns ein, nicht zuerst nach Lösungen zu suchen, bis wir uns zufriedengeben. Nicht alles selbst klären und erklären zu wollen, sondern sich schlichtweg im Vertrauen halten zu lassen, um dabei seine Nähe und Liebe bedingungslos anzunehmen. Einfach, weil die Gewissheit besteht: Ich bin geborgen. Gott selbst ist der Ort, an dem meine Seele wirklich satt wird.

Mein Kind muss nichts leisten, um seine Mahlzeit zu erhalten. Es muss nicht dafür kämpfen, nicht darum ringen, sich nicht beweisen und sich an nichts festhalten. Es darf einfach sein. Es darf einfach empfangen. Und genau dafür braucht es diese offenen Hände, denn geschlossene Hände können eben nichts empfangen.

Auch wir müssen vor Gott nichts leisten, um zu empfangen. Wir müssen uns nicht beweisen, nicht erst besser werden oder gar um seine Anerkennung ringen. Epheser 2:8-9 bringt das auf den Punkt:

Noch einmal: Durch Gottes Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk. Sie gründet sich nicht auf menschliche Leistungen, sodass niemand vor Gott mit irgendetwas großtun kann.

Ich merke immer wieder, wie schwer es mir fällt, dieses Geschenk der unverdienten Gnade anzunehmen. Es sprengt sogar mein Denken, etwas ohne mein Zutun zu empfangen, denn unsere ganze Welt ist doch vom Leistungsgedanken durchzogen. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich durch regelmäßiges Bibellesen, Beten oder Gottesdienstbesuche versuche, geistlicher, frommer, heiliger zu werden. Ich möchte Gott zeigen, dass ich es ernst meine. Doch ein gestilltes Kind bringt nichts mit. Es leistet nichts. Es empfängt – einfach, weil es geliebt ist. Und auch ich möchte wie ein gestilltes Kind mit offenen Händen empfangen. Nicht, weil ich jetzt schon alles verstehe, sondern weil ich durch Gottes Gnade gerettet bin, und zwar aufgrund des Glaubens, aufgrund Gottes‘ Geschenk an mich.

So möchte ich auch dich einladen, diesem Jahr mit offenen Händen zu begegnen. Nicht als Vorsatz, nicht als neue Leistung, sondern als Haltung. Hände, die nicht festhalten müssen, weil sie sich halten lassen. Hände, die empfangen dürfen, was Gott schenkt – seine Gnade, seine Nähe, seine Versorgung. Vielleicht fühlt sich das noch ungewohnt an. Vielleicht öffnet sich heute auch erst ein Finger. Doch auch das reicht. Denn bei Gott dürfen wir selig satt werden – wie ein gestilltes Kind.