„Kommst du heute zur Bandprobe?“ – „Bist du am Samstag beim Volleyballspielen dabei?“ – „Du hilfst doch sicherlich auch dieses Mal wieder beim Aufbau für das Musical mit, oder?“
Anfragen über Anfragen. Termine über Termine. Wir leben in einer Zeit und Gesellschaft, in der der Begriff „FOMO“ (Englisch: fear of missing out) – also die Angst, etwas zu verpassen – dominiert. Hinzukommt, dass ein enormer Leistungsdruck über die letzten Jahre und Generationen entstanden ist. Gefühlt jeder muss die renommierteste Schule oder Universität besuchen, die tollsten Hobbies und Sportarten ausüben und die besten Noten und Leistungen erbringen. Und bei all dem vergessen wir ganz oft uns selbst. Mir zumindest ergeht es so. Viel öfter denke ich darüber nach, was andere über mich, meine Fähigkeiten und Leistungen denken, wie ich bei anderen ankomme und was ich nicht alles tun kann, um als echte Powerfrau zu gelten. So füllt sich die Liste der Dinge, die ich beruflich, ehrenamtlich und privat ausübe … Und dann ist da ja auch noch mein Glaube.
Auch im christlichen Umfeld spürt man nicht selten einen unaufhörlichen Druck, den eigenen Glauben durch Werke und Engagement zu beweisen. Wir nehmen an Gemeindeveranstaltungen teil, engagieren uns in verschiedenen Diensten und versuchen, stets ein Vorbild im Glauben zu sein. Doch oft führt das dazu, dass wir nicht mehr aus Freude und Hingabe handeln, sondern aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus. Der Glaube wird zu einem weiteren Punkt auf unserer To-do-Liste, die schnellst- und bestmöglich abgearbeitet werden will.
Inmitten dieses Wirrwarrs an Erwartungen und Verpflichtungen sehne ich mich immer mehr nach einem Moment der Ruhe, nach einem Ort, an dem ich einfach nur sein darf. Ein Ort, an dem ich keine Gründe und Entschuldigungen vorbringen muss, um eine Pause einzulegen. Kennst du das?
Doch diese Momente sind rar geworden, da wir uns selbst kaum erlauben, innezuhalten und durchzuatmen. Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, wie sich Ruhe überhaupt anfühlt …
Dabei will der christliche Glaube genau diesen Ort der Ruhe und Annahme bieten. Gottes Heilsgeschichte mit den Menschen ist geprägt von einer Gnade, die bedingungslos ist – einer Gnade ohne Grund. Diese Gnade fordert keine Rechtfertigungen, keine Beweise und keine Leistungen von uns. Sie ist ein Geschenk, das uns allein durch Gottes Liebe zuteilwird. So wird In Epheser 2:8-9 bestätigt:
„Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod gerettet worden. Das ist geschehen, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Es ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk.“
Diese grundlose Gnade erinnert uns daran, dass wir vor Gott nicht bestehen müssen, weil wir so viel leisten oder so viele Verpflichtungen erfüllen. Gott liebt uns, weil wir seine Schöpfung sind, und nicht, weil wir bestimmte Bedingungen erfüllen. Wir dürfen Fehler machen, wir dürfen schwach sein, wir dürfen Grenzen setzen – und dennoch sind wir angenommen und geliebt.
Doch weshalb fällt es immer wieder so schwer, diese bedingungslose Gnade anzunehmen und in das eigene Leben zu integrieren? Vielleicht, weil wir in einer Leistungsgesellschaft leben, die uns von klein auf lehrt, dass alles erarbeitet und verdient werden muss. Vielleicht, weil wir es gewohnt sind, uns durch unsere Leistungen zu definieren und uns darüber Wertschätzung zu holen. Doch Gottes Gnade stellt dieses Weltbild auf den Kopf. Sie sagt uns, dass unser Wert eben nicht von unseren Leistungen abhängt, sondern von unserer Identität als Kinder Gottes.
Eine Idee für einen praktischen Schritt, um diese Gnade mehr in unser Leben zu integrieren, ist das bewusste Setzen von Grenzen. Es ist in Ordnung, „Nein“ zu sagen. Es ist in Ordnung, nicht überall dabei zu sein. Es ist in Ordnung, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Jesus selbst zog sich oft zurück, um in der Stille zu beten und neue Kraft zu schöpfen (vgl. Lukas 5:16). Wenn sogar der Sohn Gottes sich Pausen gönnte, sollten wir das dann nicht auch tun?
Indem wir uns bewusst Zeiten der Ruhe und der Einkehr schaffen, öffnen wir unser Herz für die Erfahrung von Gottes bedingungsloser Gnade. Wir lernen, uns selbst so anzunehmen, wie Gott uns annimmt – als geliebte, wertvolle Menschen, unabhängig unserer Leistungen.
Lasst uns also in dieser hektischen, leistungsorientierten Welt immer wieder daran erinnern, dass wir nicht um unsere Daseinsberechtigung kämpfen müssen. Gottes Gnade ist ein Geschenk, das uns ohne Grund gegeben wird. Wir dürfen uns entspannen, wir dürfen loslassen, und wir dürfen in der Gewissheit leben, dass wir vor Gott gut genug sind – genau so, wie wir sind.