Gründonnerstag: Der letzte Abend vor dem Kreuz. Jesus saß mit seinen Jüngern um den Tisch. Die Stimmung war angespannt. Die Jünger stritten darüber, wer von ihnen der Größte ist – obwohl Jesus ihnen schon gesagt hatte:
„Wer unter euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ (Vgl. Matthäus 20:26)
Doch anstatt zu diskutieren, antwortete Jesus mit einer Handlung: Er stand auf, nahm sich eine Schüssel mit Wasser und begann, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Bitte was?! Der König selbst erniedrigte sich zu den Füßen seiner Nachfolger? Unerwartet. Widersprüchlich. Dienend.
Beim Wort Dienen denke ich an Missionare in fernen Ländern, große Opfertaten oder beeindruckende Hilfsprojekte. Und ich frage mich: Wann habe ich zuletzt so gedient?
Doch bei Jesus beginnt das Dienen nicht, wenn alles ruhig und perfekt ist. Es beginnt mitten im Chaos. Wenn Jesus seinen letzten Abend so gestaltet, gehört das Dienen scheinbar zum Kern des Christseins.
"Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden." (Markus 10:45)
Gott sandte seinen Sohn Jesus in diese Welt, damit wir Gottes Wesen in Menschengestalt erkennen können. Gottes Größe zeigt sich also nicht in Distanz, sondern eben in dieser dienenden Hingabe und Nähe. Wenn es mein Ziel als Christ ist, Jesus ähnlicher zu werden, komme auch ich am Dienen nicht vorbei.
Was ist aber Jesu Motivation zu dienen? Eindruck machen? Sich bei seinem Vater im Himmel Bonuspunkte verdienen?
"Jesus aber wusste, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte, dass er von Gott gekommen war und zu ihm zurückkehren würde." (Johannes 13:3)
Diese Stelle zeigt: Jesus diente nicht aus Unsicherheit oder aufgrund des Wunsches nach Anerkennung. Er diente, weil er wusste, wer er ist – Gottes Sohn. Sein Dienst entspringt seiner Identität.
Oft geht es uns da anders als Jesus. Wir dienen aufgrund von Druck oder des Bedürfnisses nach Anerkennung. Doch das Evangelium dreht diese Denkweise um: Wir dienen nicht, um angenommen zu werden – wir dienen, weil wir längst angenommen sind. Dienen ist deshalb keine religiöse Leistung, sondern unsere Antwort auf Gottes Gnade.
Jesu Fußwaschung am Gründonnerstag ist also schon eine Art Vorschau auf das, was am Karfreitag passieren würde. Jesus beugte sich zu den Füßen der Jünger. Und Jesus beugte sich am Kreuz dem Willen seines Vaters. Er nahm unseren ganzen Schmutz auf sich. Den, der an den Füßen hängt – und den, der an unseren Herzen hängt. Unsere Antwort darauf finden wir sinngemäß in Philipper 2:5-8:
„Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild: Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod.“
Der Weg von Jesus geht immer zuerst nach unten – in Demut, Hingabe und Liebe. Gott bestätigt diesen Weg dann an Ostern. Der Weg nach unten ist bei Gott nie vergeblich. Gott selbst erhöht den, der sich aus Liebe erniedrigt.
"Darum hat ihn Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen steht." (Philipper 2:9)
Jesu Beispiel bleibt aber nicht nur eine bewegende Szene am Gründonnerstag. Was heißt das also für uns heute? Ich denke, dass die meisten Fußwaschungen in unserem Alltag nicht so spektakulär ausfallen müssen. Ganz im Gegenteil beginnt das Dienen zum Beispiel damit, zuzuhören, praktische Hilfe zu leisten, Zeit zu schenken, zu vergeben oder unscheinbare Aufgaben zu übernehmen. Auf diese Weise kann sich unser Herz verändern: frei von Egoismus, mit offenem Blick für andere und Jesus ähnlicher werdend.
Oft erleben wir zudem etwas Überraschendes: Im Dienen begegnen wir Gott selbst. Jesus sagte einmal, dass wir alles, was wir einem seiner geringsten Geschwister tun, letztlich ihm selbst tun (vgl. Matthäus 25:40).
Gut daran ist, dass wir uns nicht verbiegen und plötzlich meinen müssen, Dinge tun zu müssen, die uns gar nicht liegen. 1. Petrus 4:10 ermutigt uns:
"Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat. Wenn ihr die vielfältigen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, setzt ihr sie richtig ein."
Erst die Vielfalt der Gaben aller Menschen führt dazu, dass das Dienen auf gottgewollte Art und Weise funktioniert. Vielleicht bist du der perfekte Zuhörer, packst einfach mit an oder betest treu für andere. Finde heraus, was dir liegt und wie du deine Gaben dienend einsetzen kannst.
Wie wäre es, wenn du deinen Tag mit drei kleinen Schritten zum Üben beginnst:
Bitte Gott morgens: „Zeig mir heute eine Person, der ich dienen kann.“
Achte bewusst auf Gelegenheiten.
Tue eine Sache, ohne gesehen werden zu müssen.
Jesus kniete am Gründonnerstag nieder. Der König aller Könige diente. Und er lädt uns ein, denselben Weg zu gehen. Vielleicht beginnt echte Nachfolge genau dort – wenn wir wie Jesus bereit sind, uns niederzuknien und zu dienen.