„Wäre ich doch nur selbstbewusster und mehr wert …“, das ist ein Satz, der einem des Öfteren und in bestimmten Situationen in den Sinn kommt. Kennst du das auch?
Das Selbstwertgefühl zählt als eine Facette des Selbstwerts und ist in diesem Sinne nicht direkt fühlbar. Vielmehr sind es die Gefühle, die durch ein niedriges Selbstwertgefühl in einem hervorgerufen werden: hier vorrangig Angst und Scham. Diese Gefühle zeigen sich dann auch auf körperlicher Ebene beispielsweise durch Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atemnot. Oftmals sind es dann die gut gemeinten Ratschläge anderer, die uns beruhigen sollen: „Denk doch nicht so negativ.“ – „Sei doch nicht so pessimistisch.“ – „Du schaffst das schon.“ Nur selten habe ich durch diese Aussagen erlebt, dass sich mein Selbstwert nachhaltig positiv verändert hat. Ebenso, wie ich mich zwar jeden Tag vor den Spiegel stellen und „Ich bin schön, wie ich bin“ sagen kann, obwohl ich nur die Macken und Kanten sehe und Unzufriedenheit sich breitmacht, und sich dadurch nur wenig an meinem Selbstwert ändert. Schließlich führt insbesondere das „von etwas überzeugt sein“ dazu, dass es nur wenig bringt, sich etwas anderes einzureden.
Und so frage ich mich auch beim Schreiben dieses Blogbeitrags, ob ich diesem Thema überhaupt gewachsen bin. Nicht umsonst habe ich die Abgabe hinausgezögert … Diese Zweifel beeinflussen wiederum mein Denken, obwohl ein anderer Teil in mir ganz genau weiß, dass ich bisher jeden Blogbeitrag rechtzeitig geschrieben habe und ich doch so gern etwas zu diesem Thema sagen möchte. Zeitgleich wird mir bewusst, dass ich glücklicherweise nicht unter einem geringen Selbstvertrauen leide – was jedoch auch ein Grund dafür ist, dass ich keine tiefe Berufung zu diesem Thema spüre. Ideal wäre es doch, wenn ich mich von einem geringen Selbstvertrauen befreit hätte und nun genau erklären könnte, wie dieser Prozess ablief und wie auch du das schaffen kannst. Und bei all dem Grübeln und Zweifeln sind es doch genau die Gefühle, die mich in einen Zustand bringen, über den ich schreiben möchte: Selbstzweifel, die einen lähmen und einem das Leben schwer machen.
Diese Selbstzweifel kennt wohl jeder und ein geringes Selbstwertgefühl kennzeichnet sich vor allem durch eine Übertreibung, in der die Betroffenen sowohl ihre eigenen vermeintlichen Schwächen als auch die vermeintlichen Stärken anderer überschätzen, während die eigenen Stärken und die Schwächen der anderen unterschätzt werden. So unterscheiden sich selbstbewusste Menschen von nicht selbstbewussten vor allem darin, dass sie sich mit ihren Schwächen akzeptieren. Der „Selbstunsichere“ hingegen kann seine Schwächen einerseits nicht akzeptieren, nimmt diese des Weiteren zu wichtig und nimmt Schwächen bei sich wahr, die kein anderer außer er selbst bei sich erkennt. So sind „selbstunsichere“ Menschen defizitorientiert und empfinden eine große Diskrepanz zwischen dem, was sie sind, und dem, was sie gern wären. Kommt dir das vielleicht bekannt vor?
Problematisch an dieser Tatsache ist, dass sich ein grundlegend geringes Selbstwertgefühl, das nicht nur situativ und sporadisch ist, negativ auf das gesamte Leben auswirkt. Dennoch gibt es auch Situationen für Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl, in denen sie sich kompetent und erfolgreich fühlen. Ebenso wie Menschen mit hohem Selbstwertgefühl Situationen erleben, in denen sie an sich selbst zweifeln. Glaube also nicht, dass ein hohes Selbstwertgefühl automatisch auch zu einem problemlosen Leben führt!
Viel interessanter erscheint aber doch, was uns nun zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl führt und wie wir es schaffen können, positiver von uns zu denken. Hierzu möchte ich dir zwei Beispiele aufzeigen, was Menschen mit niedrigem (und hohem) Selbstwert kennzeichnet und wo auch ich Anknüpfungspunkte bei mir sehe:
1. Angst, Fehler zu machen und falsche Entscheidungen zu treffen:
Menschen mit niedrigem Selbstwert leben meist in der Defensive und wollen so vermeiden, Fehler zu machen und negativ aufzufallen. Selbstsichere hingegen sind bestrebt, ihre Ziele zu erreichen und sich stärker auf ihre Fähigkeiten und weniger auf ihre Schwächen zu fokussieren. Zudem haben sie eine nicht so große Angst zu scheitern und auch Misserfolg kränkt sie vielleicht kurzfristig, aber bei Weitem nicht auf so tiefer persönlicher Ebene. Hinzukommend kann eine kleine kritische Bemerkung zur großen Verunsicherung führen und mit dem Scheitern der gesamten Person gleichgesetzt werden. Auch bei einer Entscheidungsfindung kommen „Selbstunsichere“ meist nicht zu Potte und sie trauen ihrem eigenen Urteil nicht.
2. Perfektionsstreben:
Perfektion ist ein anderer Begriff für „fehlerfrei“ und somit der Maßstab, der uns garantiert, alles richtig gemacht zu haben. So gibt Perfektion Sicherheit, doch die Frage ist: Wann ist etwas perfekt und ist das Erreichen dessen überhaupt möglich? Eigentlich nicht und genau deshalb ist die Strategie zum Scheitern verurteilt. Man rennt bloß den eigenen Ansprüchen hinterher und ist stets enttäuscht und frustriert.
Auch ich neige dazu, es allen Menschen recht machen zu wollen und ertappe mich des Öfteren dabei, nach Perfektion zu streben. Durch diese beiden Aspekte habe ich das Gefühl, Anerkennung zu erlangen und ein besserer Mensch zu sein. Dabei weiß ich eigentlich ganz genau, dass mein Selbstwert letztlich nicht von meinen Leistungen abhängt und auch nicht von dem Ansehen durch andere. Und doch ist es so unfassbar schwierig, sich dies immer wieder bewusst vor Augen zu führen und tief einzuprägen.
So habe ich beim Recherchieren zum Thema noch eine wertvolle Hilfe zur Umsetzung gefunden, die 7-2-1-Regel:
An sieben Tagen pro Woche suchst du dir eine Sache, auf die du stolz bist. Sei es eine bewältigte Aufgabe, eine getroffene Entscheidung oder auch „nur“ eine Kleinigkeit. Sei einfach nur stolz und werte es auf keinen Fall ab!
An zwei Tagen pro Woche tust du dir etwas Gutes, auch ganz ohne Grund, denn du bist es dir selbst wert!
An einem Tag pro Woche verlässt du deine Komfortzone und stellst dich ganz bewusst einer Challenge, der du normalerweise aus dem Weg gehen würdest. Was diese Challenge ist, hängt ganz individuell von deinen Ängsten ab. Hier geht es vielmehr darum, diese Ängste zu überwinden und Situationen zu meistern, von denen du es vorher nicht geglaubt hättest.
Somit kannst du nach und nach erkennen, was alles in dir schlummert, und du wirst voller Stolz alte Wunden, die dich negativ über dich denken lassen, zum Heilen bringen.