Krisen sind individuell, vielfältig und kaum vergleichbar. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Arten und Ursprünge von Krisen. Das macht es auch so schwer, einen allgemeingültigen Beitrag über dieses Thema zu schreiben. Dennoch möchte ich dich heute bei diesem Thema herausfordern, ermutigen und vielleicht sogar ein wenig provozieren.
Wenn du vor einer persönlichen Krise stehst, dann durchläufst du oft vier unterschiedliche Phasen: Schock, Reaktion, Bearbeitung, Anpassung. Um einen konkreten Verlauf zu nennen, könnte man z. B. auch sagen: Lähmung, Verneinung, Akzeptanz, Neuorientierung.
Wäre der Begriff Krise ein bisschen weniger negativ behaftet, könnte man fast meinen, dass der damit verbundene Prozess für jeden von uns eine wichtige und wertvolle Erfahrung sein kann. Sicherlich muss man dabei etwas differenzieren, doch im Großen und Ganzen ist das genau mein Punkt. Krisen tragen oft (mit dem richtigen Umgang) eine unvergleichliche Chance in sich. Sechs solcher Chancen möchte ich heute mit dir teilen:
1. Krisen bringen Probleme ans Licht
Oft begehen wir den Denkfehler, die Krise selbst als größtes Problem darzustellen. Dabei ist eine Krise in den meisten Fällen nur die Reaktion auf ein tiefer liegendes Problem. Ohne Frage löst die Krise selbst ein neues Problem aus, doch der eigentliche Ursprung ist logischerweise nicht die Krise selbst. Deshalb sollten wir wachsam sein. Krisen können uns helfen, tiefgreifende Probleme mit Gottes Hilfe anzugehen.
„Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ (Galater 6:7)
2. Krisen zeigen oft die Wahrheit
Dabei zeigen Krisen oft die schonungslose Wahrheit. Die mag nicht immer angenehm sein und dennoch ist sie real und absolut wichtig! Verdränge sie nicht. Schaue ihr in die Augen, halte sie aus. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas zu ändern.
„Besser eine bittere Wahrheit als eine süße Illusion.“ (Pearl Sydenstricker Buck)
3. Krisen trainieren die Reflexion
All das führt dich zwangsläufig dazu, dass du reflektieren musst. Angenommen, du bist in einer Beziehungs- oder Freundschaftskrise und fragst dich: „War ich immer ehrlich? Habe ich meiner Beziehung / Freundschaft genügend Zeit und Energie geschenkt? Habe ich es versäumt, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen?“ Es gäbe sicherlich unzählige Fragen, die man in solchen Situationen stellen kann. In allem kannst du wissen, dass die Fähigkeit des Reflektierens dein Leben massiv bereichern wird. Die Krise stößt dich an, genau das zu tun.
„Da bekannte David Nathan: »Ich habe gegen den Herrn gesündigt.«“ (2. Samuel 12:13, David nach seinem Ehebruch)
4. Krisen führen zu einer neuen Sensibilität
Gleichzeitig fördern Krisen die Sensibilität. Du hast eine schärfere Wahrnehmung in der Krise. Plötzlich erkennst du das, was du vorher übersehen hast. Die Routine wird unterbrochen. So, als würdest du plötzlich mit der anderen Hand deine Zähne putzen. Für die meisten von uns wäre das wahrlich eine Krise. Dennoch wirst du merken, was für eine starke Sensibilität du an den Tag legst.
Die Gewohnheitsschleife wir unterbrochen. Du musst bewusst steuern, spüren und hinschauen. Dies gilt ebenso für Krisen. Wir sollten diese Sensibilität nutzen! Auch im Hinblick auf Gott. „Möchte er mir etwas sagen?“ Nimm dir die Zeit, hinzuhören. Ich glaube, viele Menschen haben das Empfinden, dass Gott insbesondere in Krisenzeiten zu uns spricht. Dabei sind wir vielleicht nur sensibler für sein Wort geworden.
„Macht den bestmöglichen Gebrauch von eurer Zeit, gerade weil wir in einer schlimmen Zeit leben. Lasst es daher nicht an der nötigen Einsicht fehlen, sondern lernt zu verstehen, was der Herr von euch möchte.“ (Epheser 5:16-17)
5. Krisen machen uns abhängig von Gott
Krisen machen uns, wenn wir das zulassen, abhängig von Gott. Für mich einer der wichtigsten Punkte. Wenn ich ehrlich bin, würde ich Gott gern noch viel mehr in meinen Alltag integrieren. Doch oft gelingt es mir nicht.
Dabei habe ich erlebt, dass Krisen mich ganz neu in eine Abhängigkeit von Gott führen können. Das klingt zunächst einmal vielleicht nicht sonderlich positiv, doch ich glaube, dass es das Beste ist, was uns passieren kann: von Gott abhängig zu sein. Dafür wurden wir geschaffen. Um in Beziehung, Gemeinschaft und Verbundenheit mit unserem Vater im Himmel zu leben.
„Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Psalm 121:1-2)
6. Krisen reißen etwas ein, um etwas Neues zu bauen
In Krisen gibt es meistens einen Moment, in dem wir uns entscheiden, das Alte hinter uns zu lassen, um zukünftig etwas zu verändern. Wie so oft im Leben geht das nur, wenn wir alte Gewohnheiten und Denkmuster bewusst loslassen. Ja, man kann es vielleicht so sagen: „Krisen reißen etwas ein, um etwas Neues zu bauen.“ Altes stirbt. Neues entsteht.
„Schau nicht weiter auf die Sünden, die ich begangen habe, sondern lösche meine ganze Schuld aus! Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott, und gib mir einen neuen, gefestigten Geist.“ (Psalm 51:11)
Was bleibt am Ende noch zu sagen?
Vergiss nicht, das eigentliche Problem hinter der Krise zu entdecken. Hab keine Angst, sondern sei mutig und stark, dich der Wahrheit zu stellen. Begrüße deine Krise und versuche, sie zu nutzen. Ich hoffe, dir hat dieser Blogbeitrag ein wenig geholfen. 😊