Auf einige Begebenheiten und Lebensverläufe von Charakteren aus der Bibel lässt sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln schauen. Der Gedanke kam mir, als ich mir vor einiger Zeit mal wieder den Verlauf von David angeschaut habe. Es gab sicherlich Zeiten, in denen ich mich selbst unfassbar gefestigt und in meiner Beziehung mit Gott nah gefühlt habe, und – so ehrlich dürfen wir zu uns selbst sein – es gibt Momente, die sich genau gegenteilig anfühlen. In besagten gefestigteren Momenten mag ich gedanklich den Blickwinkel extremer auf das richten, was z. B. bei David nicht immer glanzvoll verlaufen ist. Schauen wir uns in 2. Samuel ab Vers 11 die Entwicklung der Beziehung mit Batseba an, so wird ganz klar die Haltung Gottes hierzu deutlich (2. Samuel 11:27 ELB):
„In den Augen des HERRN aber war die Sache böse, die David getan hatte.“
David, der so viel Wohlwollen, Zuspruch und Verheißung von Gott erhalten hatte, sündigte und handelte im weiteren Lebensweg auf eine Weise, die Gott missbilligt. In mir selbst gibt es in manchen Momenten differenzierte Gefühle, wenn ich mir dies anschaue. Ich sprach zu Beginn von gefestigteren und nahbareren Zeiten mit Gott – dann kommen schon mal ein gewisses Unverständnis oder eine klare Ablehnung in mir hoch. Ganz nach dem Motto: „Gott ist durch viele Momente mit David gegangen, hat ihn begleitet und eingesetzt und trotz allem sündigt David auf solch eine Weise?“
Vielleicht lese ich das Leben von David aber auch in einem Moment, in dem ich mich selbst mehr als unsicher und eher weiter weg von Gott fühle. Eine Frage an dich – aus welchem Blickwinkel liest du diesen Lebensabschnitt von David? Fühlst du dich ihm ein wenig näher und verbundener, da du dich gerade selbst so verhalten hast, dass es Gott keine Freude macht?
Mit ein wenig Reflexion sind beide Betrachtungsweisen nicht weiterführend. Mich besser oder noch schlechter zu fühlen als David, ist hier kein Ansatz. Vielmehr möchte ich dabei für mich mitnehmen können, dass – egal, wie weit weg von oder nah an Gott ich mich fühle – er bleibt. Auch wenn klar wird, dass jede Handlung Konsequenzen nach sich zieht.
Blicken wir ins Neue Testament, kennst du vielleicht die Stelle, in der Petrus klar bekräftigte, dass er zu jeder Zeit zu Jesus stehen würde. Doch Jesus machte ihm deutlich, dass er ihn drei Mal verleugnen würde, ehe der Morgen anbricht (vgl. Matthäus 26:33-36 ELB). Auch hier kann ich mich an vergleichbare Situationen erinnern, als man z. B. in der Schulzeit nicht zu denen stand, die man eigentlich mochte, sondern zu den Personen, die einen für den Moment weitergebracht haben. Eben dann umzuschwenken, wenn sich der Vorteil für einen selbst unmittelbar ergab, statt durchweg bei der Person zu sein, die einem guttat. Vielleicht wurde so auch mit dir selbst einmal umgegangen.
Auch wenn es noch viel mehr Beispiele an Personen und Lebensverläufen in der Bibel gibt, die so einiges an Unmut und Enttäuschung hervorrufen – Gott blieb trotz allem da. Obwohl Gott wusste, dass David eines Tages mit Batseba sündigen würde, hielt es ihn nicht davon ab, David die Jahre zuvor auf großartige Weise zu begleiten. Auch danach führte er diesen Segen mit seinem Sohn Salomo fort. Und Petrus, er verleugnete Jesus und war doch ein treuer Begleiter für ihn.
Für mich stellt sich die Frage, wie wir in Momenten der Schuld weiterhin agieren. In den Zeiten, in denen wir uns ohnehin schon recht weit von Gott entfernt fühlen. Verdammen wir uns selbst und lesen wir solche Bibelstellen mit einer Blickweise, dass wir sowieso unwürdig sind? Oder dürfen wir es aus dem Blickwinkel einer gewissen Demut betrachten, dass Gott gnädig ist und bei uns bleibt, selbst wenn unsere Verfehlungen eintreten? Das, was ich dir mitgeben möchte, ist ein Gefühl der Reflexion fürs eigene Leben. Den Willen zur Einsicht bei Verfehlungen und auch, dass Gott jeden Lebensverlauf gebrauchen möchte.