Psalm
Kapitel 102, Vers 1–13
Herr, erhebe dich!
1Gebet eines Menschen, der allen Mut verloren hat und dem HERRN sein Leid klagt. 2Höre mein Gebet, HERR, und achte auf meinen Hilfeschrei! 3Ich bin in großer Not – verbirg dich nicht vor mir! Höre mir zu und hilf mir schnell! 4Mein Leben verflüchtigt sich wie Rauch, mein ganzer Körper glüht, von Fieber geschüttelt. 5Meine Kraft vertrocknet wie abgemähtes Gras, selbst der Hunger ist mir vergangen. 6Ich bin nur noch Haut und Knochen, mir bleibt nichts als endloses Stöhnen. 7Man hört mich klagen wie eine Eule in der Wüste, wie ein Käuzchen in verlassenen Ruinen. 8Tiefe Verzweiflung raubt mir den Schlaf; ich fühle mich wie ein einsamer Vogel auf dem Dach. 9Tag für Tag beschimpfen mich meine Feinde, und wen sie verfluchen wollen, dem wünschen sie mein Schicksal herbei. 10Ich esse Staub, als wäre es Brot, und in meine Getränke mischen sich Tränen. 11Denn dein furchtbarer Zorn hat mich getroffen, du hast mich hochgeworfen und zu Boden geschmettert! 12Mein Leben gleicht einem Schatten, der am Abend in der Dunkelheit verschwindet. Ich bin wie Gras, das bald verdorrt. 13Du aber, HERR, regierst für alle Zeiten; von dir wird man erzählen, solange es Menschen gibt.
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"Man hört mich klagen wie eine Eule in der Wüste, wie ein Käuzchen in verlassenen Ruinen. […] ich fühle mich wie ein einsamer Vogel auf dem Dach." [7-8]
Weißt du, wie sich Eule, Käuzchen und Vogel fühlen? Einsam und traurig. Dabei sind die Umstände immer verschieden. Der Vogel mag in einer Großstadt mit vielen anderen Vögeln sein und sich dennoch einsam fühlen – umgeben von Menschen und doch einsam. Die Eule hat sich oder wurde bewusst isoliert – Rückzug oder Entzug von Gemeinschaft. Das Käuzchen, eine kleinere, rundköpfige Eule, haust in verlassenen Ruinen – man hat etwas verloren und ist deshalb einsam und traurig.
Spürst du, wie nah dieser Psalm dem Leben ist? Der Psalmist muss sich nicht selbst zu Beginn nennen. Vielmehr bringt er zum Ausdruck, für wen dieser Psalm geschrieben wurde. Für Leidende, die vielleicht keine Worte finden, um zu beschreiben, wie es ihnen geht.
Was dem Verfasser Trost spendet, ist in erster Linie nicht die Besserung seiner Umstände, sondern die Tatsache, dass Gott immer noch der Herr ist und für alle Zeit regieren wird.
Beides wirkt schwer miteinander vereinbar.
Lies gern den Psalm zu Ende oder schau wieder vorbei, wenn wir in den nächsten Tagen einen Impuls über den zweiten Teil schreiben. Hoffnung bricht sich Bahn.