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Alles gegeben, und doch nicht ausreichend

Mona Kleinfeldvon Mona Kleinfeld
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Alles gegeben, und doch nicht ausreichend

Die letzten fünf Schritte bis zur Ziellinie. Den Blick nach vorn gerichtet, während der Wind so spürbar ist. Dieser Rausch. Dieses Adrenalin. Diese Schnelligkeit. Mitten im Rennen. Und soeben die Ziellinie überschritten. Die Schritte werden langsamer, doch der Puls bleibt hoch nach diesem 100-Meter-Lauf. Unzählige Male ist dieser Lauf trainiert worden. Der Sprint, der Start und das letzte Stück zur Ziellinie, wo die 100 %, die man in sich hat, für den Sieg überschritten werden müssen. Und doch, nach Überquerung der Ziellinie steht der eigene Name nicht ganz oben. Alles gegeben und mal wieder nicht ausreichend.

Nein, ich selbst bin und war nicht in der Leichtathletik aktiv, aber diesen Moment bzw. diese Zeitspanne, in der du alles gegeben hast und nach der du dann mit der harten Realität konfrontiert wirst, dass es nicht gereicht hat oder die Absage kam, kennen wir wohl alle. Der eine mehr, der andere wohl weniger. Wenn wir vom Sport bzw. Leistungssport mal weggehen, hin zu alltäglichen Dingen, dann meine ich diese Momente, wenn 50 Bewerbungen geschrieben wurden, jedoch keine erfolgreich zum Abschluss kam. Vielleicht hattest du dieses eine Gespräch für den vermeintlichen Traumjob, hast dich so sehr vorbereitet und nach etwas Warten erfolgte doch die Absage. Genauso bei der Wohnungssuche, in einer Beziehung oder bei deinem Traum vom eigenen Business. In all diesen Momenten und Zeitspannen führt uns das Leben einmal mehr eine gewisse Härte auf. Und nein, ich denke auch nicht, dass es hierbei jemals diese eine Lösung geben wird, um solch eine Niederlage abzuwenden, denn schlussendlich spiegelt sich hier der Lebensverlauf mit Höhen und Tiefen wider. Zugleich möchte ich dir einmal mehr sagen, dass ich diese Momente nur zu gut kenne. Rede dir bitte niemals ein, dass dies lediglich dich betrifft. Auch wenn es manches Mal so erscheinen mag.

Es ist niederschlagend und sicherlich eine der größten Herausforderungen im Leben, wenn man 100 % und mehr von dem gegeben hat, was möglich war, und dennoch nicht von der Stelle kommt. Jeden Tag versuchst du etwas zu ändern, dich zu steigern, und doch steht dein Name nicht ganz oben bei der Zielüberquerung und du siehst keine Veränderung. So viel begreifen und verstehen wir in unserer menschlichen Position nicht. Ich kann dir nicht die Gründe hierfür nennen, doch ich kann dich einmal mehr ermutigen, trotz alldem weiterhin alles zu geben und wieder aufzustehen. Denn wenn du diese Haltung wahrst und trainierst, merkst du, dass dir nach und nach das Weitermachen und Aufstehen einfacher fällt. Es gibt Zeiten, da muss ich sogar schmunzeln, wenn ich erneut eine Absage erhalte und weiß, dass ich nun gefordert bin, weiterhin an meinem Traum oder an der Richtung festzuhalten. Natürlich gilt es auch zu reflektieren, welche weiteren Schritte nun sinnig sein können. Keiner von uns sieht gern der nächsten Niederlage oder Enttäuschung entgegen, doch auch diese wird uns prägen, weiterhin formen und helfen, wieder aufzustehen. Fühl dich ermutigt, dass das Leben uns mit den Höhen und Tiefen formt und deine Zielüberquerung, bei der der erste Platz wartet, kommen wird. Wenn du das nächste Mal wieder startest, glaube an dich und gib alles in dem Bewusstsein, dass eine gewisse Ruhe in dem liegen darf, was dabei rumkommt. Schön dabei ist: Wir sind weder vergessen noch allein unterwegs.