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Blogpost

Wenn du Kritik erntest

Annemieke Binggelivon Annemieke Binggeli
Soziales Leben
Wenn du Kritik erntest

Vielleicht bist du Leiter/in in einer Gemeinde.

Vielleicht bist du Pastor/in in einer Gemeinde.

Vielleicht bist du auch einfach ein Mensch, der die Gemeinde liebt und gerne andere für den Glauben an Jesus Christus begeistern möchte.

Wie dem auch sei, dieser Blogbeitrag ist für dich. Für mich übrigens ebenso, denn ich „fasse mir hier auch an meine eigene Nase“.

Menschen verlassen eine Kirche, weil sie nicht das Gefühl haben, dass ihre Kritik an der Leiterschaft gehört wird.

**Jegliche Kritik wurde fast vehement abgeblockt. **

Kennst du das? Dann: Willkommen im Klub! Leider kenne ich das auch.

Eine solche Situation muss gar nicht unbedingt derartige Dimensionen annehmen, wie ich es erleben musste. Es kann schon im Kleinen beginnen.

Ich stelle dir heute folgende Frage: Wie gehst du damit um, wenn Menschen dich kritisieren?

Erst recht, wenn du tatsächlich eine Leitungsposition in deiner Gemeinde (z. B. als Kleingruppenleiter/in, als Lobpreisleiter/in, etc.) innehast.

Ich finde dazu einen Spruch aus der Bibel sehr treffend und gleichzeitig sehr herausfordernd:

„Wer sich nichts sagen lässt, erntet Armut und Verachtung. Wer auf Kritik hört, wird hoch angesehen.“ (Sprüche 13:18)

Deutlich wird: Wer sich danach sehnt, von Menschen anerkannt zu werden, der sollte kritikfähig sein.

Denn wer nie ein offenes Ohr für Kritik hat, also Menschen nie das Gefühl gibt, dass er/sie die Kritik zumindest hört, erntet Verachtung.

Eine solche Person hat zwar oft eine tiefe Sehnsucht nach Anerkennung von Menschen, woraufhin deshalb jede Kritik abgeblockt wird, doch genau das Gegenteil wird der Fall sein: Diese Person wird Verachtung dafür ernten, dass sie die Kritik der anderen als Gefahr ansieht!

Ich will dich als Leiter/in, als Pastor/in oder einfach als Christ/in dazu ermutigen, offen für Kritik zu bleiben.

Auf der einen Seite natürlich vor allem hinsichtlich der Bibel. Wenn wir selbst merken, dass wir etwas falsch machen oder falsch sehen, dann sollten wir uns immer wieder von Gott selbst durch sein Wort korrigieren lassen!

Auf der anderen Seite sollten und dürfen wir gleichermaßen auch miteinander wachsen. Inwiefern stehen wir zu Fehlern, die wir machen? Und entschuldigen wir uns (je nach Situation und Status vielleicht auch öffentlich) dafür? Sind wir bereit, uns kritisieren zu lassen oder zumindest ernsthaft Kritik anzuhören und aufzunehmen?

Wenn wir den Leuten um uns herum zumindest zuhören und sie nicht gleich grundlos abblocken, und wenn wir ihnen das Gefühl geben, dass sie Gehör finden, dann haben wir damit bereits eine gewisse Kritikfähigkeit bewiesen, die sich positiv auszahlen wird.

Kritikfähigkeit bedeutet nicht, dass du dich wie ein Fähnchen im Wind immer an die Meinungen deiner Mitmenschen anpasst, sondern dass du ihre Kritik hörst und sie dann selbst beurteilst und eventuell danach handelst. Kritikfähigkeit bedeutet, dass du darüber nachdenkst, dich reflektierst und dir dazu vielleicht einen weiteren Rat von ergänzender Seite einholst.

Wie die Menschen dann auf deine Umsetzung ihrer Kritik reagieren, bleibt ihre Sache.

Doch es gibt einen großen Unterschied zwischen den beiden Optionen, sich Kritik wertschätzend anzuhören und dann begründet zu beurteilen, weshalb man danach handelt oder nicht, und Kritik aus Prinzip gar nicht erst an sich heranzulassen!

Ja, das war ein kleines Plädoyer aus meinem Herzen an unsere Kritikfähigkeit.

Als Kinder Gottes dürfen wir uns umso mehr dessen bewusst sein, dass wir nicht „die Weisheit mit Löffeln gefressen haben“, sondern dass es einen allmächtigen Gott gibt, der nun einmal den Hochmütigen demütigt, den Demütigen aber erhöht (vgl. 1. Petrus 5:5-7).

Ich glaube, dass es ein echter Prozess ist, kritikfähig zu werden.

Gleichermaßen ist es jedoch ein mindestens genauso entscheidender Punkt dafür, wie unser Wirkungskreis für Jesus hier auf dieser Erde aussehen wird.

Auf alle Fälle – und ich glaube, das ist deutlich geworden – brauchen wir die Gnade Gottes dafür.

Er muss an unseren Herzen arbeiten.

Er macht uns demütig.

Er macht uns kritikfähig.