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Impuls

Vorsichtiges Urteilen

Thaddäus Schindlervon Thaddäus Schindler
Soziales Leben

1. Mose

Kapitel 30, Vers 14–​24

WEITER GEHT DER WETTSTREIT

14Zur Zeit der Weizenernte fand Ruben auf einem Feld Alraunfrüchte, auch Liebesäpfel genannt; er nahm sie mit nach Hause und gab sie seiner Mutter Lea. Rahel sah das und bat Lea: »Gib mir doch bitte ein paar davon ab!« 15Aber Lea fuhr sie an: »Reicht es dir nicht, dass du mir meinen Mann weggenommen hast? Musst du mir auch noch die Liebesäpfel wegnehmen, die mein Sohn gefunden hat?« »Ich mache dir einen Vorschlag«, entgegnete Rahel, »du gibst mir die Liebesäpfel, und dafür schläft Jakob diese Nacht bei dir.« 16Am Abend, als Jakob vom Feld nach Hause kam, ging Lea ihm entgegen. »Du schläfst heute Nacht bei mir«, sagte sie, »ich habe mir dieses Vorrecht von Rahel erkauft. Sie hat dafür die Liebesäpfel bekommen, die Ruben gefunden hat.« Jakob verbrachte die Nacht mit ihr, 17und Gott erhörte Leas Gebete; sie wurde schwanger und bekam ihren fünften Sohn. 18Da sagte sie: »Gott hat mich dafür belohnt, dass ich meinem Mann die Magd gegeben habe!« Darum nannte sie ihn Issachar (»Belohnung«). 19Als Lea erneut schwanger wurde und ihren sechsten Sohn bekam, 20rief sie: »Gott hat mich reich beschenkt! Jetzt wird mich mein Mann anerkennen, weil ich ihm sechs Söhne geboren habe!« Sie gab ihm den Namen Sebulon (»Anerkennung«). 21Danach brachte sie eine Tochter zur Welt, die nannte sie Dina. 22Gott dachte nun auch an Rahel und erhörte ihre Gebete. 23Sie wurde schwanger und bekam einen Sohn. »Endlich hat Gott die Schande von mir genommen! 24Hoffentlich gibt der HERR mir noch einen Sohn dazu!«, sagte sie und nannte ihn Josef (»hinzufügen«).

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Der Wettstreit zwischen Rahel und Lea ging weiter. Neben dem kulturellen Kontext, der zu unserer heutigen Gesellschaft eine ziemlich große Lücke aufreißt, blieben ebenso Vertrauen und das Fragen nach Gottes Willen gefühlt auf der Strecke. Zumindest empfinde ich es ähnlich, wie Annemieke im vorangegangenen Minuten-Impuls beschrieben hat. Auf der Suche nach Anerkennung und Bedeutung vor Jakob taten diese Frauen alles in ihrer Macht Stehende. Dennoch kann niemand von uns wirklich nachempfinden, was für ein gesellschaftlicher Druck damals auf einer Frau ohne Kinder gelastet haben muss. Deshalb sollten wir auch in unserem Urteil vorsichtig sein.

Die besagten "Liebesäpfel" waren sehr wahrscheinlich Früchte der Mandragora, die auch als Alraune bezeichnet wird. Diese galten in der Antike als empfängnisfördernd (bibelwissenschaft.de). Es spricht viel dafür, dass Ruben genau diese Früchte fand, um die sich später Lea und Rahel stritten.

Was hat die Geschichte mit uns zu tun? Zuerst einmal sensibilisiert sie uns, die Bibel durch den Kontext der damaligen Zeit zu lesen. Das macht uns demütig und hält uns von vorschnellen Urteilen ab. Grundsätzlich gilt: Versuche, das Motiv zu verstehen, bevor du urteilst. Zweitens ist die Geschichte ein weiteres Zeichen dafür, wie Gott in unserem Versagen wirken kann. Bei all dem Durcheinander ist Gott in Begriff, die 12 Stämme Israels (durch die Söhne Jakobs) ins Leben zu rufen.