In welcher Phase des Lebens du dich derzeit befinden magst – ob voller Glückseligkeit oder in Trauer –, wirklich jeder von uns musste bereits durch Tiefen im Leben gehen. Momente durchstehen, die einen an die eigenen Grenzen gebracht haben oder so viel abverlangten, dass Verbesserung nur in weiter Ferne erschien.
Heute möchte ich mit dir ein paar Gedanken durchgehen, die hoffentlich für uns selbst und die Art, wie wir anderen in solchen Momenten beistehen, eine differenzierte Betrachtung verleihen. Wenn wir Leid, Verlust oder schwierige Momente erleben, so sind die meisten Menschen, zu denen ich eine vertrautere Beziehung habe, für mich da. Wie auch immer sich dies äußern mag: Worte, Taten, eine Umarmung. Ich für mich habe mir vor einiger Zeit die Frage gestellt, welche Dauer ich wahrhaftig aufbringe, um eine vertraute Person in benannten Situationen zu begleiten. Und genau hier möchte ich mit dir in ein paar Gedanken gehen.
Denn wer von uns kann durchweg sagen, dass er/sie wirklich nach so einiger Zeit immer noch oder wieder für diese Person da ist? Dabei meine ich diese nächste Ebene von Schmerz, der wieder hochkommt, wenn sich z. B. der Jahrestag von jemandem nähert, den/die diese Person verloren hat. Dieser Schmerz, der nicht im Moment selbst ausgelöst wurde, sondern erst aufkommt, wenn die eigentliche Verarbeitung und das Weiterleben begonnen haben. In vielen Situationen neigen wir dazu – auch durch das Alltagsgeschehen – zu vergessen. Oftmals ohne weitere Absicht, sondern weil das Leben weitergeht – mit seinen Höhen und Tiefen. Weitere Herausforderungen begegnen uns, und ebenso kann es sein, dass wir selbst eine Situation durchleben müssen, die jegliche Energie erfordert.
Mir geht es in diesen Überlegungen darum, einmal mehr unser Bewusstsein dafür zu schärfen, wo wir jemanden, dem wir nahestehen, umso mehr begleiten können, sodass eine Art Wiederauffangen gelingt. Das Wiederauffangen des Anderen. Den Schmerz zu durchleben, ist die eine Sache. Die andere Sache ist, mit diesem zu leben und weiterzumachen. Ich denke, auch dies hat jeder von uns schon einmal mitgemacht – mit dem Wunsch, weiterhin eine Person an der eigenen Seite zu wissen, die da ist. Bedingungsloses Wiederauffangen, ohne zahlreiche Fragen, sondern mit ganzem Herzen. Erinnern wir uns gemeinsam daran, welche Kraft solch ein Wiederauffangen mit sich bringen kann. Und daran, wie viel es uns gibt, wenn wir diese Unterstützung von jemandem bekommen, um selbst jemandem auf diese Weise beizustehen.