1. Mose
Kapitel 44, Vers 1–10
DER VERHÄNGNISVOLLE BECHER
1Nach dem Essen gingen die Brüder in ihre Unterkunft. Als sie fort waren, sagte Josef zu seinem Hausverwalter: »Füll jeden Sack mit so viel Getreide, wie sie tragen können. Dann leg heimlich bei jedem das Geld wieder hinein. 2Meinen silbernen Becher verstau in Benjamins Sack, zusammen mit seinem Geld!« Der Verwalter führte den Befehl aus. 3Früh am nächsten Morgen ließ man die Brüder mit ihren voll bepackten Eseln wieder abreisen. 4Sie hatten gerade erst die Stadt verlassen, da befahl Josef seinem Hausverwalter: »Schnell, jag den Männern hinterher! Wenn du sie eingeholt hast, frag sie: ›Warum habt ihr dieses Unrecht begangen, obwohl ihr so gut behandelt worden seid? 5Warum habt ihr den silbernen Trinkbecher meines Herrn gestohlen, mit dessen Hilfe er die Zukunft voraussagt? Das ist ein Verbrechen!‹« 6Der Verwalter eilte den Brüdern nach, und als er sie erreicht hatte, wiederholte er die Worte seines Herrn. 7»Warum beschuldigst du uns so schwer?«, fragten sie ungläubig. »Niemals würden wir das tun! 8Du weißt doch, dass wir das Geld zurückgebracht haben, das wir nach unserer ersten Reise in den Säcken fanden. Warum sollten wir jetzt Silber oder Gold aus dem Palast deines Herrn stehlen? 9Wenn du bei einem von uns den Becher findest, dann soll er sterben! Und wir anderen werden für immer deinem Herrn als Sklaven dienen!« 10»Gut«, erwiderte der Verwalter, »aber nur der soll ein Sklave werden, bei dem der Becher gefunden wird, die anderen sind frei.«
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Weitere Infos →Nicht umsonst ließ Josef seinen silbernen Becher in das Gepäck seines Bruders Benjamins legen, denn die Brüder sollten ihn im Auftrag ihres Vaters Jakob ganz besonders beschützen (vgl. 1. Mose 43:1 ff.). Die Brüder wussten zwar, dass sie in diesem Fall nichts Falsches getan hatten, aber behaupteten zudem ganz groß: "Niemals würden wir das tun!" [7] Wirklich niemals?! Die Brüder stellten sich in ihren Worten der Verteidigung als besonders ehrbare Männer dar. Ihren Standpunkt unterstützten sie darüber hinaus mit der mutigen Ansage: "Wenn du bei einem von uns den Becher findest, dann soll er sterben! Und wir anderen werden für immer deinem Herrn als Sklaven dienen!" [9]
Josef wusste natürlich von der Unschuld seiner Brüder in diesem Fall. Und doch wusste er aus eigener schmerzlicher Erfahrung, wie böse seine Brüder sein konnten: Sie hatten ihn einst überfallen und brutal in die Sklaverei nach Ägypten verkauft, weil sie eifersüchtig auf ihn waren und ihn nicht leiden konnten.
Josef zeigte seinen Brüdern durch dieses Trickspiel, dass Hochmut vor dem Fall kommt und dass sie sich und ihr Herz zuerst prüfen sollten, bevor sie solch große Worte machten. So ist Demut eine göttliche Tugend: "Die Hochmütigen weist Gott von sich; aber er wendet denen seine Liebe zu, die wissen, dass sie ihn brauchen." (Sprüche 3:34)