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Impuls

Ein tiefer Abgrund

Thaddäus Schindlervon Thaddäus Schindler
Soziales Leben

1. Mose

Kapitel 4, Vers 1–​16

NEID UND SEINE FOLGEN

1Adam schlief mit seiner Frau Eva, sie wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. »Mit der Hilfe des HERRN habe ich einen Sohn bekommen!«, rief sie aus. Darum nannte sie ihn Kain (»Gewinn«). 2Ihren zweiten Sohn nannte sie Abel. Die beiden wuchsen heran; Abel wurde ein Hirte, Kain ein Bauer. 3Eines Tages nahm Kain etwas von dem Ertrag seines Feldes und brachte es dem HERRN als Opfer dar. 4Auch Abel wählte eine Gabe für Gott aus: Er schlachtete einige von den ersten Lämmern seiner Herde und opferte die besten Fleischstücke mitsamt dem Fett daran. Der HERR blickte freundlich auf Abel und nahm sein Opfer an, 5Kain und seinem Opfer hingegen schenkte er keine Beachtung. Darüber wurde Kain sehr zornig und starrte mit finsterer Miene vor sich hin. 6»Warum bist du so zornig und blickst so grimmig zu Boden?«, fragte ihn der HERR. 7»Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du doch jedem offen ins Gesicht sehen. Wenn du jedoch Böses planst, dann lauert die Sünde schon vor deiner Tür. Sie will dich zu Fall bringen, du aber beherrsche sie!« 8Kain forderte seinen Bruder auf: »Komm, wir gehen zusammen aufs Feld!« Als sie dort ankamen, fiel er über Abel her und schlug ihn tot. 9Da fragte der HERR: »Wo ist dein Bruder Abel?« »Woher soll ich das wissen?«, wich Kain aus. »Ist es etwa meine Aufgabe, ständig auf ihn aufzupassen?« 10Aber Gott entgegnete: »Was hast du bloß getan? Das vergossene Blut deines Bruders schreit von der Erde zu mir! 11Darum bist du von nun an verflucht: Weil du deinen Bruder umgebracht und den Acker mit seinem Blut getränkt hast, musst du von diesem fruchtbaren Land fort. 12Wenn du ein Feld bebauen willst, wird es dir kaum noch Ertrag einbringen. Ruhelos musst du von Ort zu Ort ziehen!« 13»Meine Strafe ist zu hart – ich kann sie nicht ertragen!«, erwiderte Kain. 14»Ach, Gott, du verstößt mich von dem Land, das ich zum Leben brauche. Noch dazu muss ich mich vor dir verstecken! Heimatlos werde ich von nun an umherirren, und wenn mich jemand findet, wird er mich umbringen!« 15»Damit dies nicht geschieht«, sagte der HERR, »lege ich Folgendes fest: Wer dich tötet, wird dafür siebenfach bestraft werden!« Er machte ein Zeichen an Kain, damit jeder, der ihm begegnete, wusste: Kain darf man nicht töten. 16Dann verließ Kain die Nähe des HERRN und wohnte im Land Nod (»Land des ruhelosen Lebens«), östlich von Eden.

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Für mich stellt sich hier eine grundsätzliche Frage: Wieso nahm Gott Abels Opfer an und Kains Opfer nicht? Das erscheint mir als ungerecht. Natürlich ist Mord keine Lösung, und dennoch kann ich Kains Frust im Kern ein wenig verstehen. Warum handelte Gott hier so?

Beim näheren Hinschauen erscheint es mir so, als ginge es hier doch um mehr als nur um ein Opfer. In allen Reaktionen von Kain spüren wir eine gewisse Unruhe, Neid und Zorn.

Lass uns zuerst einen Blick auf das Opfer werfen. Dort heißt es, dass Kain "etwas" von seiner Ernte nahm und es Gott opferte. Von Abel heißt es, dass er "die besten Fleischstücke" opferte. Mit anderen Worten, und das ist meine Vermutung, gab Kain etwas Kleines aus einer Art Pflichtbewusstsein und Abel opferte sein Bestes aus Glauben und Liebe zu Gott (vgl. Hebräer 11:4).

Aus diesem Blickwinkel ergibt es Sinn, dass Gott sich über ein "gezwungenes" Opfer nicht so sehr freut wie über das von Abel. Damit hätte Kain rechnen können, doch stattdessen führte ihn sein Neid in einen tiefen Abgrund.

Die Worte, die Gott zu Kain sprach, bevor dieser die schreckliche Tat tat, bewegen mich: "Wenn du […] Böses planst, dann lauert die Sünde schon vor deiner Tür. Sie will dich zu Fall bringen, du aber beherrsche sie!"

Spürst du, wie Gott mit Liebe um Kain kämpfte? Leider vergebens.