Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!
Diese Redewendung kennt, glaube ich, jeder.
Wenn ich sie im Internet eingebe, stoße ich direkt auf die Definition:
„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel“ ist eine Aufforderung, seine Talente, Fähigkeiten und guten Taten nicht zu verbergen, sondern sie offen zu zeigen, damit andere davon profitieren können – eine Ermutigung gegen falsche Bescheidenheit, die aus der Bergpredigt der Bibel stammt.
Aha! Diese Redewendung kommt direkt aus der Bibel! Oder?
Laut KI-Übersicht hat diese Aussage ihren Ursprung in der Bergpredigt Jesu in Matthäus 5:15. Schauen wir da doch mal hinein:
„Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind.“
Mein Mann und ich haben die Tage einen Schneespaziergang in der Dunkelheit gemacht. Dabei ist uns aufgefallen, wie unglaublich hell der Mond geleuchtet hat. Wir konnten sogar unseren eigenen Schatten auf dem Schnee sehen!
Und eigentlich leuchtet der Mond ja nicht aus eigener Kraft, sondern er reflektiert nur das Licht der Sonne. Darüber habe ich mir dann ein wenig Gedanken gemacht, und ich landete bei der obengenannten Redewendung.
Ich glaube, das Sprichwort führt uns etwas in die Irre. Denn was Jesus mit seiner Aussage in der Predigt nicht sagen wollte, ist, dass wir unsere Gaben und Talente nicht verstecken sollen. Tatsächlich müssen wir nur in den nächsten Vers schauen, um zu verstehen, was für ein Licht Jesus meinte:
„So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5:16)
Das Licht, von dem Jesus hier sprach, sind unsere guten Werke! Es geht um die selbstverständliche Ausstrahlung, die ein Jünger Jesu in der Welt hat.
Gott, als der Hausherr, sorgt dafür, dass wir an der richtigen Position stehen, wie jede Hausfrau und jede Magd im alten Palästina jeden Abend dafür gesorgt hat, dass die lichtspendende Öllampe auf einem Leuchter steht.
Wir müssen uns nicht einmal selbst anzünden. Der Heilige Geist entfacht uns bei unserer Bekehrung zum Leben, sodass wir automatisch beginnen zu leuchten.
Doch was ist das Ziel von Jesu Schlusssatz bei diesem Auftrag? Das Ziel ist das, was durch den Sündenfall verloren ging:
„… dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
Das, was wir als Frucht unserer Wiedergeburt selbstverständlich tun, verfolgt ein übergeordnetes Ziel: Dass die Menschen Gott als ihren Schöpfer und Retter erkennen und ihn preisen!
Ist das nicht irgendwie viel cooler, als einfach nur Gaben und Talente auszuleben? Versteh mich bitte nicht falsch, Gott hat dich mit diesen Dingen ganz bewusst ausgestattet, doch der Fokus von Jesu Predigt ist ein ganz anderer.
Ich stelle mir das so vor: Gott ist das Licht. Der Heilige Geist „zündet uns an“, sodass wir sein Licht weiterstrahlen. Und durch die Dinge, die wir tun, wird das Licht, welches auf Gott direkt hindeutet, sichtbar für die Welt und unsere Mitmenschen. Wir sind ein bisschen wie der Mond: Wir haben keine eigene Leuchtkraft, doch weil Gott uns Licht gibt, können wir leuchten.
Damit wünsche ich dir auch von meiner Seite noch ein frohes neues Jahr. Auf dass wir dieses Jahr Jesu Auftrag folgen und unser Licht bei unseren Mitmenschen leuchten lassen!